Freitag, 7. Juni 2019

Du kannst heute entscheiden, wo du die Ewigkeit verbringst

Von Tête Jaune Cache sind wir am Morgen, nachdem wir noch einmal eine Dusche genossen und ein Foto mit Dale gemacht hatten, aufgebrochen in Richtung McBride. Wir haben gesehen, dass McBride der einzige Ort zwischen unserem jetzigen und Prince George ist. Von McBride sind es noch 210 km und wir müssen für den Weg alles eingekauft haben, was wir brauchen, um uns zu versorgen.

Auf dem Weg nach McBride haben wir weitere Bären gesehen. Die ersten befanden sich rechts von uns auf einer großen, mit Löwenzahn übersäten Wiese und grasten dicht am Waldrand.

Sie waren wieder recht weit entfernt und zuerst nur als große, schwarze Flecken auf grün-gelbem Grund auszumachen. Als wir vorbeifuhren, hoben sie ihre Köpfe und beobachteten uns so lange, bis wir wieder verschwunden waren.

Die Sonne hat an diesem Tag hart geballert. Wir hatten 29 Grad und keine Wolken – in der Sonne waren es also deutlich über 30°C. Und bei dem Fahrtwind bekommt man die Hitze nicht so richtig mit, so dass zumindest Linus, der das Eincremen immer etwas vernachlässigt, einen kleinen Sonnenbrand bekam. Er war dann auch am Abend, als wir in McBride ankamen, ziemlich erschöpft. So 5 bis 6 Stunden in knalliger Sonne, ohne Schatten, ist schon ziemlich aufreibend. Auch wenn die Beine noch können, der Kopf und die mentale Verfassung lassen rasch nach. An jenem Tag sind wir knapp über 60km gefahren, fühlte sich aber enorm anstrengend an. Zumal wir auch noch Gegenwind hatten und die Steigungen zwischen den beiden Berghängen – zur rechten die Rockies, die Cariboo Mountains zur linken – häufig und extrem waren. Der Highway 40, auf dem wir unsere große Panne hatten, hatte die größeren Extreme, aber hier auf dem Stück war es ein ständiges auf und ab. Hinzu kamen kilometerlange Steigungen und Abfahrten, die man nicht sehen, aber spüren konnte.

Leider ist es nicht so berauschend, wie man es sich vielleicht vorstellt. Man könnte ja meinen, dass die Abfahrt, nach der Auffahrt eine großzügige Belohnung ist, für den harten Kampf mit dem Berg, aber das ist es nur bedingt. Die meisten schnellen Abfahrten müssen wir gut ausbremsen, da manchmal tückische Schlaglöcher auf uns warten, die uns mit einem Mal die Speichen durchbrechen könnten und wir wollen nicht zu waghalsig in die Täler rasen, um plötzlich auf Bären zu treffen. Wird es doch mal etwas schneller, da wir uns etwas sicherer fühlen (Straßenbeläge sind top und rechts zur Straße geht es steil ab, oder eine Steinmauer ist entlang der Straße gezogen), dann sausen wir mit 50 Sachen die Steigungen hinab, rufen, singen, lachen und grölen die Schluchten hinunter und hoffen, dass wir genug Krach machen, dass jedes Wildtier schon 1000 Meter vor unserem Eintreffen das Weite sucht. Bis hierhin klappte das eigentlich immer ganz gut.
 
Unser Zeltplatz in McBride
Auf dem Campingplatz, der zwei Kilometer vor McBride liegt, begrüßte uns eine Frau mittleren Alters mit britischem Akzent, nahm uns in Empfang und freute sich, die ersten Radfahrer dieses Jahres begrüßen zu dürfen. Die Wiese für Zeltcamper war völlig leer und wir durften uns von den gefühlt 60 Plätzen den Besten aussuchen. Zum Schutz vor der Sonne riet sie uns einen guten Platz neben zwei großen Bäumen zu nehmen. Außerdem gab es hier erneut Duschen, Trinkwasser, Strom im kleinen Waschraum und – Mücken ...

Rot 12:     „Rot vierhundersieben bitte kommen, Rot vierhundertsieben bitte kommen, over.“
Rot 407:   „Rot zwölf, hier Rot vierhundertsieben. Was los? Over."
Rot 12:     „Zwei Menschen auf 14:00 Uhr. Bring Geschwader 723f hinter mir in Stellung, over.“
Rot 407:   „Gebe Angriffsmeldung an Zentrale weiter, Rot zwölf. Ziele sehen erschöpft aus, bitte Zentrale um Verstärkung bevor unsere Ziele ihre Schutzschilde aktivieren. Over.“
5 Sekunden später
Blau 37:   „Rot zwölf, hier Blau 37, wir tauchen gleich hinter euch auf. 30-Köpfiges Geschwader 723f begibt sich in Stellung, wir nehmen den linken ins Visier, over.“
Rot 12:     „Rot Zwölf an Geschwader 1027c, hinter mir in Stellung bringen und den rechten anvisieren. Man riechen die lecker, over.“
Blau 89:   „Rot zwölf, hier Blau 89, Geschwaderführerin von 1027c. Bringe mich hinter dir in Stellung. Warten auf Angriffsbefehl von Zentrale, over.“
Rot 1:       „Hauptkommando an alle aktiven Geschwader, wir haben Verstärkung aus den Umliegenden Gebieten angefordert, wird noch ein paar Minuten dauern bis die hier sind, ihr müsst sie also etwas hinhalten, lasst ihnen keine Ruhe! Sie dürfen die Schutzschilde nicht fertigstellen bevor die Verstärkung da ist. Angriffsbefehl erteilt. Over.“
Rot 12:     „Ihr habt Rot 1 gehört. Geschwader 1027c aufteilen und Scheinangriff um rechte Wade fliegen, wir nehmen uns die linke Schulter vor. Blau 89, du führst.“
Blau 89:   „Verstanden Rot 12. Folgt mir!!!“
10 Sekunden später
Blau 89:   „Okay er hat uns gesehen, macht euch auf die Abwehrmaßnahmen bereit.“
Blau 303: „Bin gelandet, fange mit Blutsaugen an wir... Arghuhsadoua...krrrrrrk...“
Blau 89:   „Verdammt, was ist bei Blau 303 los?“
Blau 344: „Sie und Blau329 hats erwischt, wurden komplett zermalmt. Hand im Anflug! Ausweichmanöver einleiten!“
Blau 89:   „Rot zwölf, was dauert da bei euch so lange? Wir brauchen hier unten Entlastung!“
Rot 12:     „Wir kommen nicht durch, die Panzerung ist zu dick! Versuchen uns zum Nacken durchzukämpfen.“
Blau 89:   „Dafür ist keine Zeit Rot 12, erleiden schwere Verluste, muss Scheinangriff            abbrechen!“
Rot 12:     „Nun gut, bringe Geschwader um den Kopf in Stellung, dass sollte euch Entlastung bringen Blau 89.“
2 Sekunden später
Rot 12:     „Blau 89, konnten Treffer am Kopf landen, haben aber kein Leichtes Ziel, es schüttelt sich die ganze Zeit und pustet.“
Rot 12:     „Blau89? Blau 89 bitte melden, können nicht mehr lange...“
Blau 344: „Blau 344 an Geschwaderführerin! Wurden komplett aufgerieben, Blau 89 hat mit Blau356 unseren Rückzug gedeckt und die Knöchel attackiert, hab die beiden seitdem nicht mehr gesehen. Schwere Verluste, bin selbst schwer verwundet abgestürzt, versuche mich zu Fuß zum Sammelpunkt zu begeben, weiß nicht wie viele es von uns geschafft haben, es ist ein Massaker!“
Rot 12:     Rot 12 an Zentrale, können sie nicht länger aufhalten, haben über die Hälfte von 1027c verloren, wir sind zu wenige! Wo bleibt die Verstärkung?
Rot 1:       Brecht euren Angriff ab Rot 12, Blau 37 und 723f wurden fast komplett vernichtet, ihre Schutzhülle steht. Wir warten bis sie wieder rauskommen. Sie sind umzingelt!“

Wir waren auf jeden Fall bis zum nächsten Morgen ziemlich zerstochen, alternativ konnten wir uns auch in langen Sachen zu Tode schwitzen, was nach einem ohnehin schon heißen Tag, oder beim Aufstehen im von der Morgensonne erhitzten Zelt, unattraktiv wurde.
 
Mittach ...
Die Strecke, die bis Prince George vor uns lag, wurde uns von jeder Person, der wir unsere Route mitteilten, als ziemlich einsam beschrieben, keine Geschäfte, keine Siedlungen, nur Natur. Wir kauften dementsprechend großzügig ein und machten uns gegen Mittag aus McBride auf den Weg.

Vor dem zivilisatorischen Nichts
Ein paar Kilometer später kamen wir am letzten Haus am Straßenrand vorbei und kurz darauf signalisierte uns ein Straßenschild, dass die Schulbusse ab hier nicht mehr fahren, was in Kanada als sicheres Zeichen dafür gilt, dass in dem folgenden Gebiet niemand lebt. Wir bekamen zumindest häufig das Gefühl, dass Schulbusse immer und überall präsent sind und egal wie weit entfernt jemand lebt, die Kinder werden auf jeden Fall abgeholt und wiedergebracht.



Die Sonne ballerte konstant weiter, keine Wolken am Himmel, nur ein diesiger Dunst, der, wie wir erfahren haben, von einem Waldbrand auf der anderen Seite der Rockies herrührte und die Berge in der Ferne verblassen ließ. Nach zwei Stunden Fahrt machten wir an einer Brücke, die in zwanzig Metern Höhe über einen vom Schmelzwasser reißend schnellen Fluss führte, eine längere Trinkpause, um die Beine zu vertreten und das Panorama zu genießen. Als wir uns gerade wieder auf unsere Räder schwingen wollten, hielt ein Pick-Up, die Scheibe ging runter und ein Mann steckte seinen Kopf aus dem Wagen: „There is a bear at your side sixhundred meters up the road, keep an eye on it.“ Wir bedankten uns für die Info und mit einem Mal waren die ohnehin schon geschärften Sinne noch mehr auf Zack, als wir uns langsam den Hügel hoch um eine Kurve arbeiteten, die Augen immer auf die Böschung neben der Straße gerichtet und laut am Rufen. Sven hielt plötzlich an, stieg vom Rad und begann laut und ruhig zu reden, Linus stieg auch ab, eine Hand am Bärenspray. Fünf Meter vor uns guckte ein schwarzer Bärenkopf aus einem Busch, der vorher nicht zu sehen war und beobachtete uns gelassen. Wir quatschten mittlerweile laut weiter, gingen langsam zurück und beratschlagten, was wir tun sollten, während wir den Bären aus den Augenwinkeln beobachteten. Wir beschlossen, mit den Rädern zwischen uns und dem Bären die Straßenseite zu wechseln und langsam an ihm vorbei zu gehen. Der Bär schaute sich unser bemüht ruhiges Gebaren noch ein bisschen an, blieb aber auf seinem sonnigen Plätzchen sitzen und ließ uns vorüber ziehen.

Der folgende, aufgeregte und überdimensional laute Austausch über das Erlebte war berauschend. Im Vergleich zu den Bären die wir davor gesehen hatten, war dieser hier ziemlich nah, eigentlich schon zu nah, wenn man den Einschätzungen und Tipps unserer Bäreninformanten Glauben schenkte. Die erste face to face Begegnung mit einem Bären erfolgreich gemeistert!

Irgendwie ist es schon eine andere Situation, wenn man weiß, dass man, wenn man wirklich alles falsch macht und sich völlig danebenbenimmt oder man unglaubliches Pech hat und in ‘ne Mutter mit Jungen reinläuft, in eine lebensbedrohliche Situation kommen könnte. Alles natürlich relativ unwahrscheinlich, aber als wir den Bären die paar Meter vor uns sahen, waren wir schon ziemlich mit Adrenalin vollgepumpt.

Auf der anderen Seite war es auch gut zu sehen, wie ein Bär reagiert. Schon interessiert, was ihn da beim Essen stört, ab eher in der Beobachterrolle. Nicht aggressiv, nicht nervös, einfach abwartend, was passiert und hoffen, dass die Menschen es nicht auf seinen leckeren Löwenzahn abgesehen haben, den er sich gerade zum Mittag einverleibt. Dieser Erfahrungswert hat uns auf jeden Fall weitergeholfen. Wenn man von Bärenattacken liest, baut sich im Kopf eher ein Bild von aggressiven, wilden Tieren auf und bei den ganzen Überlegungen was man im Falle des Falles tun sollte, fällt der Punkt, dass Bären eigentlich nicht wirklich was von Menschen wollen, leicht außer Acht.

An diesem Tag sahen wir noch zwei weitere Bären, einer überquerte weit vor uns die Straße, deutlich größer als unsere erste Begegnung. Ein anderer saß wieder im Graben, der vom Sonnenlicht gefluteten rechten Seite der Straße und fühlte sich da sichtlich wohl, während wir diesmal etwas weiter weg zum Stehen kamen und unsere Räder auf der linken Seite an ihm vorüber schoben. Auch er beobachtete uns, bis wir um die nächste Kurve waren, auch so ein Indiz, dass Bären Menschen gegenüber eher scheu als aufdringlich sind – leben und leben lassen.

Kilometertechnisch ratterten wir einiges runter, mit 93 Kilometern die längste Tagesetappe bisher. Aber als wir unser Zelt auf einem Stück Wiese der wenigen Restareas aufschlugen, war die Luft raus, sowohl mental als auch physisch. Strecke und Wetter forderten ihren Tribut und die Stimmung hatte ihren ersten signifikanten Hänger, was bis zum nächsten Morgen anhielt. Die Kilometer stimmten zwar, aber die Leichtigkeit war irgendwie weg, auch weil die Ideen von der Art, wie es die restliche Strecke weitergehen sollte, nicht mehr richtig übereinstimmten. Sven wollte etwas die Kilometer pro Tag anziehen, mit der Sorge, am Ende zu wenig Zeit auf Quadra Island bei seiner Tante verbringen zu können, Linus war eher in Sorge um die Gelassenheit, die die Tour bisher geprägt hatte.

Richtig zur Sprache kam das erst am übernächsten Morgen.

Der Tag dazwischen war wenig kommunikativ, trotz eines weiteren Bären am linken Straßenrand und weiterhin beeindruckender Aussicht.

Am Nachmittag kamen wir bei Purden Lake, 60 Kilometer vor Prince George, bei einem Campingplatz an, den uns unsere App ausgespuckt hatte. Wir saßen noch lange am See, Sven ging schwimmen und wegen der Mücken verzogen wir uns bald ins Zelt, um erstmalig auf dieser Tour einen Mittagsschlaf zu halten. Wir wurden von der Campingpplatzbesitzerin geweckt, die vorbeigekommen war, um die Gebühr fürs Zelten abzuholen. Sie meinte, dass in den letzten Tagen gegenüber von der großen, mit Löwenzahn übersäten Wiese, auf der unser Zelt stand, ein Schwarzbär rumläuft. Mit einem Lächeln meinte sie, dass wir den bestimmt noch sehen werden.

Sie sollte Recht behalten, denn als Sven eine halbe Stunde später anfing zu kochen, kam der Schwarzbär auf die Wiese und begann mit aller Seelenruhe, zwanzig Meter von Linus und dem Zelt entfernt, Löwenzahn zu mampfen. Wir waren durch unsere kürzlichen Begegnungen wesentlich entspannter geworden, warteten einfach ab und ließen den Bären Bär sein. Ein paar andere Camper kamen noch vorbei, freuten sich hauptsächlich über das Tier, das sich hingelegt hatte und im Liegen weiter den Löwenzahn bekämpfte. Auch den Krach, den einige machten, um ihn zu vertreiben, ignorierte er stoisch, bevor er sich nach etwa einer halben Stunde wieder in den Wald verzog.

Am nächsten Morgen sprachen wir uns auf Linus‘ Initiative hin aus. Nach einigen Frustbekundungen und Aufzeigen der Knackpunkten der letzten Tage machten wir uns nach gutem Frühstück und viel Kaffee im zum Campingplatz gehörenden Restaurant wieder auf den Weg. Das Ergebnis nach unserem Gespräch am Morgen gab ihm recht, bei bestem Wetter radelten wir Prince George entgegen, die Zeit auf dem Sattel schien zu verfliegen und der Kopf war leicht, so dass wir am frühen Nachmittag in Prince George eintrafen.

Kaffee trinken in einer Campingplatz Bar
puhhh, das war knapp
Die anscheinend für ihre hohe Kriminalitätsrate in BC berühmt-berüchtigte Stadt mit ihren 70000 Einwohnern gefiel uns ziemlich gut, hatte halt irgendwie ein schmuddeliges Flair. Kriminalität war Pustekuchen, die Leute, die uns davor warnten und die wir dann fragten, ob sie schon mal überfallen worden wären, verneinten das. Wir hatten noch ein paar Besorgungen zu machen und als Sven nach dem vergeblichen Versuch, eine Alternative für den stark rußenden Coleman Spiritus für den Trangia zu bekommen, aus dem Walmart kam, war Linus bei den Fahrrädern wartend mit zwei Frauen, die eine Ende vierzig die andere ü70, in ein Gespräch verwickelt.

Auch sie waren, wie so viele vor ihnen, über unsere Räder auf uns aufmerksam geworden und erkundigten sich zunächst über unsere Tour und was wir in Deutschland machen. Über Linus Antwort (Sozialarbeiter) kam das Thema relativ schnell auf Flüchtlinge und Politik, wie die Leute in Deutschland drauf wären. Nach kurzer Erklärung unsererseits folgte dann eine lange Erwiderung, was die Liberale Regierung in Canada in den letzten Jahren alles vermurkst hat, gefolgt von der stolzen Aussage „We are conservatives, we aren't liberals!“

Alles auf einer ziemlich freundlichen Ebene, aber als es dann dahin ging, dass der Klimawandel ja eher eine Frage von Ansichten sei und wir durchs Lesen der Bibel in eine bessere Zukunft investieren („You can decide today where you spent eternity! Isn't that beautiful!?“), waren wir doch froh, als das Gespräch durch war und wir um eine Einladung zum Übernachten rumgeschifft waren. Der Rasen vom Vorgarten war gerade erst gewässert worden und hätte unsere rabiate Art zu zelten wohl kaum überstanden. So verwirrt diese Leute auch waren, sie brachten uns in den nächsten Tagen immer wieder zum Lachen, wenn wir an diese Begegnung dachten.

Einige Sprüche sind uns besonders in Erinnerung geblieben:

„Wir werden gerne älter und hassen Veränderungen“,
„Ich glaube... nein ich WEIß, wir Christen haben den meisten Spaß!“,
„Lest ihr denn nicht die Bibel? Eure Eltern wenigstens? Eure Großeltern? Irgendjemand?“,
„Leute die nur zur Weihnachtszeit in die Kirche gehen: Fake Christen“,
„Ist das Christentum denn noch populär in Europa? Wir haben da schlimme Sachen gehört“, „Dieser Islam, diese... Ideologie...“,
„Die Politiker haben kein Geld für unsere Kriegsveteranen! Aber geben 1,6 Millionen für eine Schule aus!“,
„Unser Präsident hat Kanutouren gegeben und ist Künstler! Die hätten mich wählen können!“,
„Damals hab‘ ich geglaubt, dass alle einfach glücklich sein sollten, aber heute weiß ich das besser“,

Als sie sich über die Obdachlosen und Kriminellen der Stadt ausließen, kam die Frage auf, wie oft sie beklaut wurden. Da meinte die jüngere der beiden: „Mein Mann ne, dem haben die beim Automaten die Nummer abgeguckt und dann 2 Kilometer weiter ausgeraubt und 3000 Dollar geklaut! In MONTREAL!!! (mehrere tausend Kilometer von Prince George entfernt)“ …

All das sagte sie so unglaublich fröhlich und lachend, dass man an ihrer Nüchternheit zweifeln konnte.

Wir haben die vage Vermutung, dass die hohe Kriminalität in Prince George (von der wir, während unserer Tour durch Kanada, schon öfter gehört hatten) nicht wirklich existiert, sondern einfach nur viele Idioten in Prince George leben, die dieses Gerücht verbreiten. Das kommt einem doch irgendwie bekannt vor...

Den Abend verbrachten wir dann wieder auf einem Campingplatz etwas außerhalb von Prince George, wo ein netter Zeltnachbar wieder einmal unser Essen bei sich im Wagen verstaute, so dass wir sorgenfrei nächtigen konnten. Wir haben zusätzlich einen Remix aufgenommen, indem neben den bescheuerten Sprüchen von Ihr natürlich nicht der Kreationist aus Big Valley fehlen durfte, der damals stolz verkündete, dass die Wissenschaftler des Tyrell Museums (eines der renommiertesten Institute) ihn hassen. Auch er war bei diesen Worten so mit Freude erfüllt, dass man tatsächlich ins Schmunzeln kam.

Wir können dennoch behaupten, dass die meisten Menschen, die wir treffen, äußerst freundlich sind und solche Begegnungen die Ausnahme darstellen.

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