Auf dem Weg nach McBride haben wir weitere Bären gesehen.
Die ersten befanden sich rechts von uns auf einer großen, mit Löwenzahn übersäten
Wiese und grasten dicht am Waldrand.
Sie waren wieder recht weit entfernt und zuerst nur als
große, schwarze Flecken auf grün-gelbem Grund auszumachen. Als wir
vorbeifuhren, hoben sie ihre Köpfe und beobachteten uns so lange, bis wir
wieder verschwunden waren.
Die Sonne hat an diesem Tag hart geballert. Wir hatten 29
Grad und keine Wolken – in der Sonne waren es also deutlich über 30°C. Und bei
dem Fahrtwind bekommt man die Hitze nicht so richtig mit, so dass zumindest
Linus, der das Eincremen immer etwas vernachlässigt, einen kleinen Sonnenbrand
bekam. Er war dann auch am Abend, als wir in McBride ankamen, ziemlich
erschöpft. So 5 bis 6 Stunden in knalliger Sonne, ohne Schatten, ist schon ziemlich
aufreibend. Auch wenn die Beine noch können, der Kopf und die mentale
Verfassung lassen rasch nach. An jenem Tag sind wir knapp über 60km gefahren,
fühlte sich aber enorm anstrengend an. Zumal wir auch noch Gegenwind hatten und
die Steigungen zwischen den beiden Berghängen – zur rechten die Rockies, die
Cariboo Mountains zur linken – häufig und extrem waren. Der Highway 40, auf dem
wir unsere große Panne hatten, hatte die größeren Extreme, aber hier auf dem
Stück war es ein ständiges auf und ab. Hinzu kamen kilometerlange Steigungen
und Abfahrten, die man nicht sehen, aber spüren konnte.
Leider ist es nicht so berauschend, wie man es sich vielleicht
vorstellt. Man könnte ja meinen, dass die Abfahrt, nach der Auffahrt eine
großzügige Belohnung ist, für den harten Kampf mit dem Berg, aber das ist es
nur bedingt. Die meisten schnellen Abfahrten müssen wir gut ausbremsen, da
manchmal tückische Schlaglöcher auf uns warten, die uns mit einem Mal die
Speichen durchbrechen könnten und wir wollen nicht zu waghalsig in die Täler
rasen, um plötzlich auf Bären zu treffen. Wird es doch mal etwas schneller, da
wir uns etwas sicherer fühlen (Straßenbeläge sind top und rechts zur Straße
geht es steil ab, oder eine Steinmauer ist entlang der Straße gezogen), dann
sausen wir mit 50 Sachen die Steigungen hinab, rufen, singen, lachen und grölen
die Schluchten hinunter und hoffen, dass wir genug Krach machen, dass jedes Wildtier
schon 1000 Meter vor unserem Eintreffen das Weite sucht. Bis hierhin klappte
das eigentlich immer ganz gut.
Auf dem Campingplatz, der zwei Kilometer vor McBride liegt,
begrüßte uns eine Frau mittleren Alters mit britischem Akzent, nahm uns in
Empfang und freute sich, die ersten Radfahrer dieses Jahres begrüßen zu dürfen.
Die Wiese für Zeltcamper war völlig leer und wir durften uns von den gefühlt 60
Plätzen den Besten aussuchen. Zum Schutz vor der Sonne riet sie uns einen guten
Platz neben zwei großen Bäumen zu nehmen. Außerdem gab es hier erneut Duschen,
Trinkwasser, Strom im kleinen Waschraum und – Mücken ...
Rot 12: „Rot vierhundersieben
bitte kommen, Rot vierhundertsieben bitte kommen, over.“
Rot 407: „Rot zwölf, hier Rot
vierhundertsieben. Was los? Over."
Rot 12: „Zwei Menschen auf
14:00 Uhr. Bring Geschwader 723f hinter mir in Stellung, over.“
Rot 407: „Gebe Angriffsmeldung
an Zentrale weiter, Rot zwölf. Ziele sehen erschöpft aus, bitte Zentrale um
Verstärkung bevor unsere Ziele ihre Schutzschilde aktivieren. Over.“
5 Sekunden später
Blau 37: „Rot zwölf, hier Blau
37, wir tauchen gleich hinter euch auf. 30-Köpfiges Geschwader 723f begibt sich
in Stellung, wir nehmen den linken ins Visier, over.“
Rot 12: „Rot Zwölf an
Geschwader 1027c, hinter mir in Stellung bringen und den rechten anvisieren.
Man riechen die lecker, over.“
Blau 89: „Rot zwölf, hier Blau
89, Geschwaderführerin von 1027c. Bringe mich hinter dir in Stellung. Warten
auf Angriffsbefehl von Zentrale, over.“
Rot 1: „Hauptkommando an
alle aktiven Geschwader, wir haben Verstärkung aus den Umliegenden Gebieten
angefordert, wird noch ein paar Minuten dauern bis die hier sind, ihr müsst sie
also etwas hinhalten, lasst ihnen keine Ruhe! Sie dürfen die Schutzschilde
nicht fertigstellen bevor die Verstärkung da ist. Angriffsbefehl erteilt. Over.“
Rot 12: „Ihr habt Rot 1
gehört. Geschwader 1027c aufteilen und Scheinangriff um rechte Wade fliegen,
wir nehmen uns die linke Schulter vor. Blau 89, du führst.“
Blau 89: „Verstanden Rot 12.
Folgt mir!!!“
10 Sekunden später
Blau 89: „Okay er hat uns
gesehen, macht euch auf die Abwehrmaßnahmen bereit.“
Blau 303: „Bin gelandet, fange
mit Blutsaugen an wir... Arghuhsadoua...krrrrrrk...“
Blau 89: „Verdammt, was ist bei
Blau 303 los?“
Blau 344: „Sie und Blau329 hats
erwischt, wurden komplett zermalmt. Hand im Anflug! Ausweichmanöver einleiten!“
Blau 89: „Rot zwölf, was dauert
da bei euch so lange? Wir brauchen hier unten Entlastung!“
Rot 12: „Wir kommen nicht
durch, die Panzerung ist zu dick! Versuchen uns zum Nacken durchzukämpfen.“
Blau 89: „Dafür ist keine Zeit
Rot 12, erleiden schwere Verluste, muss Scheinangriff abbrechen!“
Rot 12: „Nun gut, bringe
Geschwader um den Kopf in Stellung, dass sollte euch Entlastung bringen Blau
89.“
2 Sekunden später
Rot 12: „Blau 89, konnten
Treffer am Kopf landen, haben aber kein Leichtes Ziel, es schüttelt sich die
ganze Zeit und pustet.“
Rot 12: „Blau89? Blau 89
bitte melden, können nicht mehr lange...“
Blau 344: „Blau 344 an
Geschwaderführerin! Wurden komplett aufgerieben, Blau 89 hat mit Blau356
unseren Rückzug gedeckt und die Knöchel attackiert, hab die beiden seitdem
nicht mehr gesehen. Schwere Verluste, bin selbst schwer verwundet abgestürzt,
versuche mich zu Fuß zum Sammelpunkt zu begeben, weiß nicht wie viele es von
uns geschafft haben, es ist ein Massaker!“
Rot 12: Rot 12 an Zentrale,
können sie nicht länger aufhalten, haben über die Hälfte von 1027c verloren,
wir sind zu wenige! Wo bleibt die Verstärkung?
Rot 1: Brecht euren Angriff
ab Rot 12, Blau 37 und 723f wurden fast komplett vernichtet, ihre Schutzhülle
steht. Wir warten bis sie wieder rauskommen. Sie sind umzingelt!“
Wir waren auf jeden Fall bis zum nächsten Morgen ziemlich
zerstochen, alternativ konnten wir uns auch in langen Sachen zu Tode schwitzen,
was nach einem ohnehin schon heißen Tag, oder beim Aufstehen im von der
Morgensonne erhitzten Zelt, unattraktiv wurde.
Die Strecke, die bis Prince George vor uns lag, wurde uns
von jeder Person, der wir unsere Route mitteilten, als ziemlich einsam
beschrieben, keine Geschäfte, keine Siedlungen, nur Natur. Wir kauften
dementsprechend großzügig ein und machten uns gegen Mittag aus McBride auf den
Weg.
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| Vor dem zivilisatorischen Nichts |
Ein paar Kilometer später kamen wir am letzten Haus am
Straßenrand vorbei und kurz darauf signalisierte uns ein Straßenschild, dass
die Schulbusse ab hier nicht mehr fahren, was in Kanada als sicheres Zeichen
dafür gilt, dass in dem folgenden Gebiet niemand lebt. Wir bekamen zumindest
häufig das Gefühl, dass Schulbusse immer und überall präsent sind und egal wie
weit entfernt jemand lebt, die Kinder werden auf jeden Fall abgeholt und
wiedergebracht.
Die Sonne ballerte konstant weiter, keine Wolken am Himmel,
nur ein diesiger Dunst, der, wie wir erfahren haben, von einem Waldbrand auf
der anderen Seite der Rockies herrührte und die Berge in der Ferne verblassen
ließ. Nach zwei Stunden Fahrt machten wir an einer Brücke, die in zwanzig
Metern Höhe über einen vom Schmelzwasser reißend schnellen Fluss führte, eine
längere Trinkpause, um die Beine zu vertreten und das Panorama zu genießen. Als
wir uns gerade wieder auf unsere Räder schwingen wollten, hielt ein Pick-Up,
die Scheibe ging runter und ein Mann steckte seinen Kopf aus dem Wagen: „There
is a bear at your side sixhundred meters up the road, keep an eye on it.“ Wir
bedankten uns für die Info und mit einem Mal waren die ohnehin schon
geschärften Sinne noch mehr auf Zack, als wir uns langsam den Hügel hoch um
eine Kurve arbeiteten, die Augen immer auf die Böschung neben der Straße
gerichtet und laut am Rufen. Sven hielt plötzlich an, stieg vom Rad und begann
laut und ruhig zu reden, Linus stieg auch ab, eine Hand am Bärenspray. Fünf
Meter vor uns guckte ein schwarzer Bärenkopf aus einem Busch, der vorher nicht
zu sehen war und beobachtete uns gelassen. Wir quatschten mittlerweile laut
weiter, gingen langsam zurück und beratschlagten, was wir tun sollten, während
wir den Bären aus den Augenwinkeln beobachteten. Wir beschlossen, mit den
Rädern zwischen uns und dem Bären die Straßenseite zu wechseln und langsam an
ihm vorbei zu gehen. Der Bär schaute sich unser bemüht ruhiges Gebaren noch ein
bisschen an, blieb aber auf seinem sonnigen Plätzchen sitzen und ließ uns vorüber
ziehen.
Der folgende, aufgeregte und überdimensional laute Austausch
über das Erlebte war berauschend. Im Vergleich zu den Bären die wir davor gesehen
hatten, war dieser hier ziemlich nah, eigentlich schon zu nah, wenn man den Einschätzungen
und Tipps unserer Bäreninformanten Glauben schenkte. Die erste face to face
Begegnung mit einem Bären erfolgreich gemeistert!
Irgendwie ist es schon eine andere Situation, wenn man weiß,
dass man, wenn man wirklich alles falsch macht und sich völlig danebenbenimmt
oder man unglaubliches Pech hat und in ‘ne Mutter mit Jungen reinläuft, in eine
lebensbedrohliche Situation kommen könnte. Alles natürlich relativ unwahrscheinlich,
aber als wir den Bären die paar Meter vor uns sahen, waren wir schon ziemlich
mit Adrenalin vollgepumpt.
Auf der anderen Seite war es auch gut zu sehen, wie ein Bär
reagiert. Schon interessiert, was ihn da beim Essen stört, ab eher in der
Beobachterrolle. Nicht aggressiv, nicht nervös, einfach abwartend, was passiert
und hoffen, dass die Menschen es nicht auf seinen leckeren Löwenzahn abgesehen
haben, den er sich gerade zum Mittag einverleibt. Dieser Erfahrungswert hat uns
auf jeden Fall weitergeholfen. Wenn man von Bärenattacken liest, baut sich im
Kopf eher ein Bild von aggressiven, wilden Tieren auf und bei den ganzen
Überlegungen was man im Falle des Falles tun sollte, fällt der Punkt, dass
Bären eigentlich nicht wirklich was von Menschen wollen, leicht außer Acht.
An
diesem Tag sahen wir noch zwei weitere Bären, einer überquerte weit vor uns die
Straße, deutlich größer als unsere erste Begegnung. Ein anderer saß wieder im
Graben, der vom Sonnenlicht gefluteten rechten Seite der Straße und fühlte sich
da sichtlich wohl, während wir diesmal etwas weiter weg zum Stehen kamen und
unsere Räder auf der linken Seite an ihm vorüber schoben. Auch er beobachtete
uns, bis wir um die nächste Kurve waren, auch so ein Indiz, dass Bären Menschen
gegenüber eher scheu als aufdringlich sind – leben und leben lassen.
Kilometertechnisch
ratterten wir einiges runter, mit 93 Kilometern die längste Tagesetappe bisher.
Aber als wir unser Zelt auf einem Stück Wiese der wenigen Restareas aufschlugen,
war die Luft raus, sowohl mental als auch physisch. Strecke und Wetter
forderten ihren Tribut und die Stimmung hatte ihren ersten signifikanten
Hänger, was bis zum nächsten Morgen anhielt. Die Kilometer stimmten zwar, aber
die Leichtigkeit war irgendwie weg, auch weil die Ideen von der Art, wie es die
restliche Strecke weitergehen sollte, nicht mehr richtig übereinstimmten. Sven
wollte etwas die Kilometer pro Tag anziehen, mit der Sorge, am Ende zu wenig
Zeit auf Quadra Island bei seiner Tante verbringen zu können, Linus war eher in
Sorge um die Gelassenheit, die die Tour bisher geprägt hatte.
Richtig
zur Sprache kam das erst am übernächsten Morgen.
Der
Tag dazwischen war wenig kommunikativ, trotz eines weiteren Bären am linken
Straßenrand und weiterhin beeindruckender Aussicht.
Am
Nachmittag kamen wir bei Purden Lake, 60 Kilometer vor Prince George, bei einem
Campingplatz an, den uns unsere App ausgespuckt hatte. Wir saßen noch lange am
See, Sven ging schwimmen und wegen der Mücken verzogen wir uns bald ins Zelt,
um erstmalig auf dieser Tour einen Mittagsschlaf zu halten. Wir wurden von der
Campingpplatzbesitzerin geweckt, die vorbeigekommen war, um die Gebühr fürs
Zelten abzuholen. Sie meinte, dass in den letzten Tagen gegenüber von der
großen, mit Löwenzahn übersäten Wiese, auf der unser Zelt stand, ein Schwarzbär
rumläuft. Mit einem Lächeln meinte sie, dass wir den bestimmt noch sehen
werden.
Sie
sollte Recht behalten, denn als Sven eine halbe Stunde später anfing zu kochen,
kam der Schwarzbär auf die Wiese und begann mit aller Seelenruhe, zwanzig Meter
von Linus und dem Zelt entfernt, Löwenzahn zu mampfen. Wir waren durch unsere
kürzlichen Begegnungen wesentlich entspannter geworden, warteten einfach ab und
ließen den Bären Bär sein. Ein paar andere Camper kamen noch vorbei, freuten
sich hauptsächlich über das Tier, das sich hingelegt hatte und im Liegen weiter
den Löwenzahn bekämpfte. Auch den Krach, den einige machten, um ihn zu
vertreiben, ignorierte er stoisch, bevor er sich nach etwa einer halben Stunde
wieder in den Wald verzog.
Am
nächsten Morgen sprachen wir uns auf Linus‘ Initiative hin aus. Nach einigen
Frustbekundungen und Aufzeigen der Knackpunkten der letzten Tage machten wir
uns nach gutem Frühstück und viel Kaffee im zum Campingplatz gehörenden
Restaurant wieder auf den Weg. Das Ergebnis nach unserem Gespräch am Morgen gab
ihm recht, bei bestem Wetter radelten wir Prince George entgegen, die Zeit auf
dem Sattel schien zu verfliegen und der Kopf war leicht, so dass wir am frühen
Nachmittag in Prince George eintrafen.
| Kaffee trinken in einer Campingplatz Bar |
| puhhh, das war knapp |
Die
anscheinend für ihre hohe Kriminalitätsrate in BC berühmt-berüchtigte Stadt mit
ihren 70000 Einwohnern gefiel uns ziemlich gut, hatte halt irgendwie ein
schmuddeliges Flair. Kriminalität war Pustekuchen, die Leute, die uns davor
warnten und die wir dann fragten, ob sie schon mal überfallen worden wären,
verneinten das. Wir hatten noch ein paar Besorgungen zu machen und als Sven
nach dem vergeblichen Versuch, eine Alternative für den stark rußenden Coleman
Spiritus für den Trangia zu bekommen, aus dem Walmart kam, war Linus bei den
Fahrrädern wartend mit zwei Frauen, die eine Ende vierzig die andere ü70, in
ein Gespräch verwickelt.
Auch
sie waren, wie so viele vor ihnen, über unsere Räder auf uns aufmerksam
geworden und erkundigten sich zunächst über unsere Tour und was wir in
Deutschland machen. Über Linus Antwort (Sozialarbeiter) kam das Thema relativ
schnell auf Flüchtlinge und Politik, wie die Leute in Deutschland drauf wären.
Nach kurzer Erklärung unsererseits folgte dann eine lange Erwiderung, was die
Liberale Regierung in Canada in den letzten Jahren alles vermurkst hat, gefolgt
von der stolzen Aussage „We are conservatives, we aren't liberals!“
Alles
auf einer ziemlich freundlichen Ebene, aber als es dann dahin ging, dass der
Klimawandel ja eher eine Frage von Ansichten sei und wir durchs Lesen der Bibel
in eine bessere Zukunft investieren („You can decide today where you spent
eternity! Isn't that beautiful!?“), waren wir doch froh, als das Gespräch durch
war und wir um eine Einladung zum Übernachten rumgeschifft waren. Der Rasen vom
Vorgarten war gerade erst gewässert worden und hätte unsere rabiate Art zu zelten
wohl kaum überstanden. So verwirrt diese Leute auch waren, sie brachten uns in
den nächsten Tagen immer wieder zum Lachen, wenn wir an diese Begegnung
dachten.
Einige
Sprüche sind uns besonders in Erinnerung geblieben:
„Wir
werden gerne älter und hassen Veränderungen“,
„Ich
glaube... nein ich WEIß, wir Christen haben den meisten Spaß!“,
„Lest
ihr denn nicht die Bibel? Eure Eltern wenigstens? Eure Großeltern?
Irgendjemand?“,
„Leute
die nur zur Weihnachtszeit in die Kirche gehen: Fake Christen“,
„Ist
das Christentum denn noch populär in Europa? Wir haben da schlimme Sachen
gehört“, „Dieser Islam, diese... Ideologie...“,
„Die
Politiker haben kein Geld für unsere Kriegsveteranen! Aber geben 1,6 Millionen
für eine Schule aus!“,
„Unser
Präsident hat Kanutouren gegeben und ist Künstler! Die hätten mich wählen
können!“,
„Damals
hab‘ ich geglaubt, dass alle einfach glücklich sein sollten, aber heute weiß
ich das besser“,
Als
sie sich über die Obdachlosen und Kriminellen der Stadt ausließen, kam die
Frage auf, wie oft sie beklaut wurden. Da meinte die jüngere der beiden: „Mein
Mann ne, dem haben die beim Automaten die Nummer abgeguckt und dann 2 Kilometer
weiter ausgeraubt und 3000 Dollar geklaut! In MONTREAL!!! (mehrere tausend
Kilometer von Prince George entfernt)“ …
All das
sagte sie so unglaublich fröhlich und lachend, dass man an ihrer Nüchternheit
zweifeln konnte.
Wir
haben die vage Vermutung, dass die hohe Kriminalität in Prince George (von der
wir, während unserer Tour durch Kanada, schon öfter gehört hatten) nicht
wirklich existiert, sondern einfach nur viele Idioten in Prince George leben,
die dieses Gerücht verbreiten. Das kommt einem doch irgendwie bekannt vor...
Den
Abend verbrachten wir dann wieder auf einem Campingplatz etwas außerhalb von
Prince George, wo ein netter Zeltnachbar wieder einmal unser Essen bei sich im
Wagen verstaute, so dass wir sorgenfrei nächtigen konnten. Wir haben zusätzlich
einen Remix aufgenommen, indem neben den bescheuerten Sprüchen von Ihr
natürlich nicht der Kreationist aus Big Valley fehlen durfte, der damals stolz
verkündete, dass die Wissenschaftler des Tyrell Museums (eines der renommiertesten
Institute) ihn hassen. Auch er war bei diesen Worten so mit Freude erfüllt,
dass man tatsächlich ins Schmunzeln kam.
Wir
können dennoch behaupten, dass die meisten Menschen, die wir treffen, äußerst
freundlich sind und solche Begegnungen die Ausnahme darstellen.





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