Sonntag, 2. Juni 2019

War ich schon oben - Fragezeichen


Am nächsten Morgen ging es mit neuer Route, bewölktem Himmel und einer Menge Aufregung wieder auf die Straße, schließlich ging es jetzt in den hochgelobten Jasper National Park, die Unverhofftheit dieser Begegnung hatte uns vorher noch nicht wirklich Zeit gegeben, über unsere Rockies-Überquerung nachzudenken. Wir vermuteten, dass die nächsten Tage relativ anstrengend werden. Zwar hatten uns alle Leute gesagt, dass sich die Straßen sinnigerweise an den Tälern orientieren, ganz ohne Hügel kommen die meisten Passstraßen aber nicht aus.

Svens Hinterrad wurde schon am Vorabend ausgetauscht, ist wegen der Arbeitszeit günstiger als nur zwei Speichen auszutauschen. Außerdem waren bestimmt mehr als fünf ziemlich ramponiert, das gibt einem nicht unbedingt ein gutes Fahrgefühl. Wir gingen zum gleichen Fahrradladen, in dem Sven am Mittag den Sattel bekommen hatte, alte Bekannte sozusagen, es war nicht viel los und so war das Nishiki-Rad innerhalb einer Stunde wieder einsatzbereit.

Der Highway war leer wie eh und je, zwar wurden die RVs [Anm.: "recreational vehicle"; Wohnmobile] merklich mehr, die Trucks blieben aber konstant wenig, der Seitenstreifen schön breit, man konnte also das Panorama, auf das man zufuhr, in vollen Zügen genießen. Mittag machten wir bei einer kleinen Brauerei am Straßenrand und genossen von der Biergarten-Terrasse die Aussicht, bevor es tiefer in die Berge ging. Links und rechts von uns wurden innerhalb eines Kilometers aus Hügeln schroffe Felsgebilde, die sich zum Himmel reckten. Blaugraue Flüsse rauschten, gespeist von Massen an Schmelzwasser, durch das Tal und ihre Unberührtheit raubte einem den dringend benötigten Atem. Wirklich steil ging es nie bergauf, eher eine sanfte Steigung, die sich über Kilometer zog, alles in allem ein angenehmes Fahren. Am Abend rollten wir auf einen kleinen abgeschiedenen Platz, den man über fünf Kilometer asphaltierte Nebenstraße erreichte. Wir waren erschöpft und obwohl das Wetter gut war, verzogen wir uns aufgrund der Moskitos schnell ins Zelt. Unsere Essensutensilien konnten wir diesmal in einem bärensicheren Container unterbringen und uns das Aufhängen sparen. Überall hingen Bilder und Schilder, die darauf hinwiesen, dass man jetzt in Bearcountry sei und seinen Zeltplatz sauber und sein Essen nicht unbeaufsichtigt lassen soll. Für uns Runduminformierte natürlich keine Neuheit, im Gegenteil.

Wir hatten uns nach Edmonton auf Bären eingestellt, als wir dann aber Leute vor Ort nach welchen fragten oder wie es um die Sicherheit unseres Essens bestellt war, ernteten wir häufig überraschte Blicke. "I didn't see any bears here" oder "There are bears in this area?" waren die wohl häufigsten Antworten. Hier in Jasper schien es jetzt endlich Ernst zu werden, wir hatten Lust, unser ganzes Wissen und Equipment auszutesten.

Der Abend verlief ruhig und da wir aufgrund der Mücken (die hier um einiges größer sind als bei uns zu Hause) bereits so früh im Zelt saßen, gabs auch nicht mehr viel zu tun.

Am nächsten Tag sah das Wetter nicht besonders umwerfend aus, aber wir waren nicht weit von Jasper entfernt und uns vom Wetter aufhalten lassen wollten wir nicht, also schnell Sachen zusammengepackt und los. Auf dieser Tour haben wir zum zweiten Mal unsere Actioncam während einer Fahrt ausprobiert. Beim ersten Mal hatten wir sie am Lenker positioniert gehabt, wodurch man jeden kleinsten Huckel mitbekommen hatte, außerdem hörte man eher die Reibung der Reifen am Boden, als dass man die vorbeirasenden Autos, oder unsere Stimmen vernahm.

Dieses Mal haben wir sie am Helm befestigt und versuchten, die Berge ringsherum drauf zu bekommen. Das sah alles so überwältigend aus, wie man als kleiner Mensch sich inmitten dieser gewaltigen Natur fortbewegte.

Heute war Jasper unser Ziel. Wir hatten auch schon einen Campingplatz ausgemacht, der leicht südlich von Jasper liegt.

Let's goooo
Achja, auf unserer Tour haben uns einige Apps das Leben sehr erleichtert. Wollen wir auch einmal kurz erwähnen – vielleicht plant ja jemand von euch auch mal ‘ne Kanada Tour.

Da wäre zunächst Maps.Me:
Eine offline Karten-App. Ist auch weltweit einsetzbar. Ziemlich praktisch, um seinen Weg zu finden, wenn man mal kein Internet hat und der Straßenatlas (wie bei uns) etwas zu ungenau ist. Mittlerweile brauchen wir sie eher, um Entfernungen abzuschätzen als für die Navigation, schließlich gibts hier oben nicht mehr sooo viele Straßen, auf denen man sich verfahren könnte. Die App kennt auch viele Läden oder größere Geschäfte, zum Aufspüren von Supermärkten also auch der Renner!

WikiCamps CA:
‘ne App für Campingplätze. Hat einen Haufen Filterfunktionen, über Wifi, Trinkwasser, Preis etc. lässt sich so ziemlich alles Wissenswerte rein- bzw. rausfiltern. Eigentlich erklärt das schon alles...

Canada weather:
Eine Wetterapp für Canada. Bringt eigentlich sehr viel, außer man ist in Alberta, da weiß der Wetterdienst auch nicht, was passiert.

BCWildfires:
Eine Waldbrand-App. Manche Leute hier sagen, es ist das ganze Jahr über Waldbrandsaison. Manche Feuer schwelen über Jahrzehnte im humusreichen Waldboden und lassen sich nicht löschen, andere kommen jeden Sommer dazu. Zwar wird bei uns eine Routenänderung schwierig aufgrund des spärlichen Straßennetzes, aber wir können uns mental etwas darauf vorbereiten. Außerdem gibt sie Warnmeldungen aus, wenn Atemprobleme bei zu starker Rauchentwicklung auftreten können.

Auf unserer Route nach Jasper haben wir auch immer wieder Schilder gesehen, die darauf hinweisen, dass hier Bäume gezielt gefällt oder auch "kontrolliert" abgebrannt werden, um die Waldbrände zu schwächen und wir haben auch immer wieder Bäume gesehen, die stark geschwärzt waren – hier hat es also bereits gebrannt.

Nach einigen Kilometern, bevor wir in Jasper ankamen, haben wir eine erstaunliche Entdeckung gemacht: Ein Radfahrer kämpfte sich uns entgegenkommend den Berg hinauf. Das war der zweite Radfahrer, den wir auf unserer Tour gesehen haben. Von weitem haben wir Gewitterwolken wahrgenommen, die sich erbarmungslos auf die Stadt zu bewegten und an den riesigen Berghängen bereits ausregneten. Das Blitzlichtgewitter war schon was fürs Auge, aber wir entschieden uns, in Jasper ein Restaurant aufzusuchen, in dem wir das Unwetter vorbeiziehen lassen konnten.

Im Restaurant haben wir uns auch einen Cocktail in Pitchergröße bestellt: Milch, Kalua, Cola und Rum (klingt komisch, schmeckte hervorragend).

Tatsächlich kam nicht ein Regentropfen vom Himmel. Das Unwetter zog knapp an Jasper vorbei.

Jasper ist schon ein hübsches, kleines Städtchen, allerdings auch ziemlich touristenüberflutet – nicht ganz unser Geschmack. Trotzdem etwas neues, da wir abgesehen von den großen Städten in denen wir waren, noch nicht so viele Leute auf einem Haufen gesehen hatten – und dabei hat die Sommerssaison noch lange nicht begonnen.

Wir hielten uns aber nicht länger als nötig in Jasper auf, kauften noch ein und machten uns auf den Weg zum Campingplatz. Auch dieser Campingplatz war deutlich besser besucht, als alle anderen auf denen wir bisher waren. Die Campingplätze in Kanada sind schon anders, als die, die wir aus Europa kennen. Riesige Flächen und zwischen den einzelnen Plätzen war reichlich Freiraum, so dass man recht ungestört war, auch wenn die Nachbarn Musik hörten oder ähnliches.

Unser Campingplatz war einer von sechs weiteren, die alle in einem Kreis angelegt waren. Innerhalb dieses Kreises haben wir noch einen Camper mit Fahrrad und Zelt gesehen – der einzige in unmittelbarer Nähe.

Als wir unser Lager eingerichtet hatten und uns in der Sonne wärmten (es wurde endlich wärmer!), haben wir Kontakt mit unserem Nachbarn geknüpft. Wir haben Mark zu uns eingeladen, falls er den Abend nicht alleine verbringen möchte. Am Abend kam er und brachte reichlich Feuerholz mit. Mark kommt aus Brandenburg und ist den Westcoasttrail in vier Tagen gelaufen. Der Westcoasttrail verläuft an der Westküstenseite von Vancouver Island.

Er ist schon seit einigen Monaten unterwegs. Eigentlich eher mit den öffentlichen Verkehrsmitteln, aber das Fahrrad hat er sich ausgeliehen, um die nähere Umgebung besser erkunden zu können. Es gibt hier einige Wander- und auch Radwege, die alle kreuz und quer durch den Jasper Nationalpark führen. Er hat jetzt noch einen weiteren Monat, den er in Kanada verbringen möchte. Dann wird er seinen Vater an der Ostkünste der Verinigten Staaten abholen und noch einen weiteren Monat mit ihm im Camper verbringen. Dann hat er die sechs Monate vollgemacht. Der zwanzig Jahre junge Mann erwies sich als geübter Feuerteufel. Mit seiner Axt haute er gute Holzscheite und sein ganzes Vorgehen wirkte äußerst professionel – macht er zu Hause tatsächlich viel, campen und angeln.

Wir haben Karten gespielt ("Flex das Strandspiel") und uns viel unterhalten. Es war ein schöner Abend und es machte wie immer Spaß, sich mit Leuten über die Touren, die man unternimmt, zu unterhalten und die unterschiedlichen Eindrücke in sich aufzunehmen.

Am frühen Abend fuhr noch ein Radfahrer auf den Campingplatz und bog in unseren Zeltkreis ein – ein neuer Nachbar.

Wir haben den ganzen Tag darüber gewitzelt, wie lustig es wäre, wenn wir Daniel noch einmal wiedersehen würden – der Kerl, den wir auf Nojack vor einigen Tagen getroffen hatten und den wir direkt in unser Herz schlossen. Er wollte ursprünglich diese Route durch Jasper nehmen und wir wären eigentlich gen Norden Richtung Dawson Creek gefahren, da sich aber nun unsere Route geändert hatte, bestand Hoffnung auf ein Wiedersehen – wenn auch nur mit winziger Wahrscheinlichkeit. Bei den meisten Menschen (um nicht zu sagen allen) gehen wir davon aus, dass wir sie nie wieder sehen werden.

Als Daniel auf den Platz gefahren kam, haben wir gejubelt und ordentlich Welle gemacht. Wie geil war das denn?! Er schien auch sehr überrascht, ebenso wie Mark "Ihr kennt den Typen?". Als Daniel zu uns an den Tisch kam sind wir uns ganz selbstverständlich in die Arme gefallen. Eigentlich haben wir mit diesem Menschen nur 30 Minuten vor ein paar Tagen auf einem abgelegenen, verlassenen Campingplatz (ihr erinnert euch? Die 23 Tische mit dem Namen NoJack?) geredet und nun begrüßen wir uns hier, als ob wir uns schon seit Jahren kennen würden.

Was für ein herzlicher, lockerer Mensch das einfach ist. Wie unbekümmert dieses Lachen und wie ungreifbar ehrlich diese Umarmung war. Wir haben dann aber nicht viel geredet, er hatte noch Kram zu erledigen. Aber dieser Moment der Begrüßung war Gold wert. Noch besserer Laune haben wir den Abend und die Nacht dann weiter mit Mark verbracht.

Der nächste Morgen begann mit Regen und wir waren nicht sicher, wie lange dieser anhalten könnte. Da um 11 Uhr morgens Checkout war (in Alberta war es meistens 14 Uhr), hatten wir nicht viel Zeit, um zu warten und zu überlegen. Wir entschieden uns also, noch eine weitere Nacht hier auf dem Campingplatz zu verbringen. Gegen 12 Uhr mittags hörte der Regen auf und der Himmel erstreckte sich wie eine riesige blaue Decke über unseren Köpfen.

Wir hätten also doch fahren können, aber das Wetter ist hier so unglaublich unberechenbar, dass wir lieber auf Nummer sicher gehen. Und wir haben ja auch Zeit.

Haben am zweiten Tag auf dem Platz viel geschrieben. Blog und DnD Stuff – da freuen wir zwei uns auch schon drauf, wenn wir nach Deutschland zurückkehren. Pen and Paper ist schon eine extrem geile Sache.

Ab Nachmittag kam Mark wieder rüber und wieder verbrachten wir einen wunderschönen Abend bei warmen Lagerfeuer. Leider haben wir an beiden Tagen versäumt, mit Mark ein Foto zu schießen.

Am nächsten Morgen haben wir Daniel noch verabschiedet (Mark war seit sechs Uhr auf Tour) und haben uns weiter Richtung Westen begeben: TêteJaune Cache sollte das Ziel sein.


Auch wenn der Weg durch die Rockies wesentlich angenehmer zu fahren war, als wir vorerst gedacht hatten (sagen wir, als Sven sich gedacht hat, Linus hat sich gar nichts gedacht), mussten wir noch einen Zwischenstopp bis Tête Jaune Cache einlegen. Das taten wir dicht hinter der Grenze zu British Columbia auf dem Campingplatz Lucerne. Neben der Zeitumstellung (nun haben wir 9 Stunden unterschied zu Deutschland), hat sich auch die Natur fast schlagartig verändert. Die Bäume wurden größer und dicker, die Pflanzenvielfalt schien zuzunehmen und auch die Tierarten veränderten sich. In Lucerne ist uns ein richtig fettes Insekt aufgefallen, dass wie ein Minihelikopter an unseren Köpfen vorbeiraste. Ach Moment mal, das war gar kein Insekt: Das war ein Kolibri!
Der Campingplatz war direkt an einem See gelegen und wir haben schöne Stunden an dessen Strand verbracht. Direkt dahinter riesengroß eine Gebirgswand – so umwerfend.



Als wir am nächsten Morgen frühstückend an unserem Tisch saßen, tauchte 30 Meter entfernt ein Elch aus dem Wald auf. Das flauschige Geweih, welches sich die Männchen im Frühjahr zulegten, war noch nicht sehr gewaltig, aber dennoch wirkte das Tier immens groß. Der Elch bewegte sich auf uns zu und graste den Löwenzahn am Wegesrand ab. Er kam so dicht, dass, wenn Linus es drauf angelegt hätte, er ihn hätte streicheln können. Erst haben wir die Situation angespannt beobachtet, aber der Elch schien ruhig, also wurden wir es auch. Haben ihn einfach nur beobachtet, wie er bestimmt zehn Minuten durch unser Camp trottete, bis er wieder im Wald verschwand.
Die Männchen sind erst im Herbst aggressiv, dann, wenn es zum Paarungskampf kommt. Im Frühjahr sind es eher die Weibchen, die ihre Jungen beschützen – Mark musste zum Beispiel vor einer Elchkuh flüchten.


Auf dem Weg nach Tête Jaune Cache haben wir auf dem Highway dann auch unseren ersten Bären gesehen. Er war um die 200 Meter entfernt und überquerte im Schneckentempo den Highway. Wir haben direkt angehalten und die Situation beobachtet. Bisher hatten wir nur theoretisches Wissen und konnten uns nicht genau vorstellen, wie Bären sich in ihrem Alltag so verhalten. Dass sie gerne die Highways überqueren, haben wir schon einige Male gehört.

Letztlich kam ein Auto angefahren, ließ den Motor laut aufheulen und vertrieb den Schwarzbären ins Gebüsch. Wir ließen uns noch eine Minute Zeit, bis wir losfuhren und machten ordentlich Lärm – machten wir ohnehin die ganze Zeit, aber seit diesem Moment in noch kürzeren Intervallen.
Vom Bären haben wir nichts mehr gesehen, aber wir waren irgendwie happy, doch noch einen zu Gesicht bekommen zu haben – auf so sichere Distanz zumindest was Schönes.

Am späten Nachmittag kamen wir dann ziemlich abgehetzt in Tête Jaune Cache an. Es war eigentlich nur eine Kreuzung, also gar kein richtiges Örtchen. Es gab hier keinen Supermarkt, keinen Kiosk oder sonst etwas, wo man sich hätte Nahrung kaufen können. Aber der Campingplatz war wohl der Schönste, auf dem wir bisher waren. Es war ruhig, das alte Ehepaar, welches den Laden hier schmiss, war einfach ein Träumchen und wir durften unser Zelt direkt am Flussufer aufschlagen.

Camp bei Tete Jaune Cache
Neben unserem Zeltplatz trank ein Paar ihren Feierabendwein. Wir kamen schnell ins Gespräch (vollbepackte Räder sind echt der beste Gesprächsaufhänger), die beiden kamen aus Holland, hatten sich hier einen RV gemietet und durchkurvten seid ein paar Wochen BC. Die beiden waren unglaublich freundlich und ließen uns unser ganzes Essen bereitwillig in ihrem Camper unterstellen, auch wenn die Besitzerin meinte, dass sie hier selten Bären zu Gesicht bekämen, sicher ist sicher.

Wir genossen es einfach, über die Rockies und aus Alberta raus zu sein. Nicht dass es weiter im Osten nicht schön gewesen wäre, aber innerhalb der letzten zwei Tage hat sich die Durchschnittstemperatur um gefühlt 10°C erhöht und die Pflanzenwelt sah so aus, als ob das schon ein bisschen länger so war. Zwischen den Rockies und den Kariboo Mountains, am gurgelnden Fluss mit zwitschernden Vögeln und Sonne satt, ließ es sich aushalten. Bevor wir einschliefen, beschlossen wir, einen Tag länger zu bleiben. Den extra Rasttag nutzten wir hauptsächlich zum Blogschreiben und Wäschewaschen, während wir von Campingbank zu Campingbank über den relativ leeren Campingplatz wanderten, um im Schatten zu bleiben. Außer uns und dem Pärchen aus den Niederlanden stand noch ein anderer Camper auf dem Platz. Linus ist irgendwann die Wäsche holen gegangen und war ziemlich lange weg. Kam nach 45 Minuten wieder und meinte, er hätte sich mit einem älteren Herrn verquatscht. Es ging um die Tour, aber auch um Kanada, das Reisen und Hunde. Er ist Hundetrainer und durchreist die Welt mit seiner Frau, um an Hundeturnieren und Tests teilzunehmen. Sie schießt für Magazine professionelle Fotos vom Wildlife. Linus gab ihm seine Mailadresse, so dass wir einen Link zu den Fotos zugeschickt bekommen – super herzliche Leute.

Als der Abend näherkam und die alltäglichen Abendbrotüberlegungen angestellt wurden, kamen wir zu dem Schluss, dass wir nicht so wahnsinnig Bock auf Reis oder Tortillas haben, unsere Reiseverpflegung seit Calgary. Der nächste Ort, Valemount, war ca. 22km weiter südlich, ohne bepacktes Rad in einer Stunde erreichbar. Sven machte sich also voller Vorfreude auf den Weg, begeistert sein Rad mal richtig "auszufahren". Zwei Stunden später standen 45km mit 27 km/h Durchschnittsgeschwindigkeit auf dem Tacho (Sven: War richtig geil!) und zwei große Subway-Sandwiches auf dem Tisch.

Wir hatten uns gerade daran gemacht, reinzuhauen, als Dale, der Hundetrainer, und seine Frau (ihr Name fällt uns ums Verrecken nicht mehr ein) mit vier Plastikpintchen, Eiswürfeln und einem Bourbon zu uns kamen und sich dazu setzten, sie hatten sich bei Linus angekündigt. Wir quatschten noch den halben Abend über Kanada, Deutschland (die beiden waren schon ein paar mal dagewesen und ziemlich begeistert) unsere Tour und alte Reisegeschichten von den beiden. Dale feierte es einfach, sich mit anderen Leuten auszutauschen und zu quatschen, einfach ein super netter und gesprächiger Kerl. Später luden sie uns noch auf diverse Biere aus der lokalen Brauerei in Valemount ein, Craftbeer ist hier echt ne große Sache, fast überall scheint es sogenannte Microbreweries zu geben.


Die zweite Hälfte des Abends verbrachten wir mit Angela und Lars - auch sie hatten sich bei Linus angekündigt - einem Paar aus Berlin, das hier ihren Sommerurlaub verlebte. Auch die beiden waren super freundlich und luden uns zu sich ans Lagerfeuer ein. Wieder wurden Reiseerfahrungen ausgetauscht, diesmal aber nur über Kanada. Der Sternenhimmel zeigte sich in voller Pracht und als das Lagerfeuer langsam ausging und die zwei sich verabschiedeten saßen wir noch eine Weile und gafften den Himmel an, bevor wir uns auch ins Zelt verkrochen.

Hier wollen wir nochmal anmerken, dass die Beschreibungen unserer Begegnungen im Blog, den Begegnungen meist nicht gerecht werden. Es ist immer etwas schwer, das Ganze in Worte zu fassen, ohne auszuufern, was ziemlich leicht passiert. Am nächsten Tag schossen wir noch Fotos mit den beiden Hundefans und verabschiedeten uns von Angela und Lars, die vier haben uns einen unvergesslichen Tourenabend beschert.




[Anmerkung: Die Route der beiden von Calgary bis Tête Jaune Cache. (Klick!) Auf dieser Darstellung ist das Stück der Route von Hinton bis zum Ort der Fahrradpanne zu sehen (einige Kilometer hinter Greg Lake Campground), das dann letztendlich zur Änderung der Route über Jasper und Tête Jaune Cache führte. Ich hoffe, das so korrekt rekonstruiert zu haben ...]

1 Kommentar:

  1. Hallo lieber Linus, hallo Sven,
    bewundernswert eure Ausdauer und Einfallsreichtum, bei Pannen und Schwierigkeiten!
    Beneidenswert eure Begegnungen mit außergewöhnlichen Menschen und dem einmaligen Panorama der Rockies,speziell auch des Jasper Nationalparks. Wish I was there!!!
    Danke für die vielen Stunden, die ihr den Blogschreiben widmet. 💕
    Danke auch Peter für die langen Korrekturstunden, bevor er den Blog uns allen zum Lesen überlässt.

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