Samstag, 25. Mai 2019

Wenn Vögel reden könnten


Der Weg bis nach Edmonton war lang und beschwerlich, aber alles sollte sich auszahlen, wie wir noch feststellen durften.

Als wir die ersten Ortsteile Edmontons erreichten, mussten wir uns noch einige Kilometer bis zu der Adresse durchwühlen, die uns von Svens Tante genannt wurde – Verwandte ihres Mannes.

Das Fahrradstraßennetz war in Edmonton weitaus besser ausgebaut als in Calgary und wir kamen richtig gut und gemütlich voran. Da wir nun etwas Zeit hatten, uns mit dem Straßennetz auseinanderzusetzen, konnten wir die Adresse auf unserer Karte schnell ausmachen.

Als wir suchend durch den Wohnblock fuhren, in dem das Haus liegen sollte, kam uns ein breit grinsender Herr entgegen. Linus und sein Blick trafen sich, während Sven bereits einige Meter vorausgefahren war.

„Seid ihr Deutsche?“, fragte er deutlich, mit schwachem Akzent. Sah man uns das so an? Oder eilt uns unser Ruf voraus – zwei dusselige deutsche Touris, die mit dem Fahrrad durch West Kanada fahren. Nun weiß man schon in der Hauptstadt Albertas von uns.

Er stellte sich als Marco vor und dass er und seine Familie uns schon erwartete. Wir stellten einander vor und er nahm uns die Straße hinunter mit zu deren Haus, welches wir vor wenigen Sekunden in unserem erschöpften Zustand bereits passierten. In der Eingangstür standen zwei junge Männer, die uns auch freundlich begrüßten. Der eine heißt Finn, ein Cousin, der zu Besuch ist, der andere Franz, der älteste Sohn des Hauses. Letzteren hatte Sven bereits vor einigen Jahren in Deutschland gesehen, als er in Bielefeld zu Besuch war. Franz führte uns hinter das Haus, wo wir unsere Räder abpackten und dann in die Garage stellen konnten – seit einigen Tagen soll ein Fahrraddieb hier seine Runden drehen.

Wir waren völlig erschöpft. Der Weg hierher war eine unnatürliche Kraftanstrengung und wir waren uns bis zuletzt nicht sicher, ob wir den Weg an diesem Tage hinter uns bringen konnten. Doch die Familie empfing uns mit so viel positiver Stimmung und Energie, dass Sven sich direkt zu ihnen oben in das Wohnzimmer setzte, während Linus für einen kurzen Moment erst die Dusche vorzog – die letzte war schon einige Tage her und Klamotten wurden nicht viel gewechselt.

Das Haus war eines der moderneren Slim-Häuser. Ein langgezogenes, schmales Haus, welches im Erdgeschoss neben dem Treppenaufstieg lediglich einen großen Raum hatte: Küche, Esszimmer und Wohnzimmer in einem. Neben Marco, Franz und Finn waren auch noch der jüngste Sohn des Hauses Dante (Linus findet diesen Namen einfach phänomenal) und Kirstin, die Frau von Marco, anwesend. Nicht zu vergessen natürlich Argo, ein ruhiger großer Hund, der auf seiner Decke lag und das ganze Treiben ruhig beobachtete.

Kirstin, Marco, Dante und Argo
Kirstin hatte eine Fußverletzung und war dazu verdammt, die Tage auf der Couch zu liegen und den Fuß bestmöglich nicht zu belasten. Sie fährt äußerst gerne Fahrrad und hätte gerne mit uns zusammen auf Rädern die Stadt erkundet. Außerdem sprach sie fließend Deutsch und freute sich darüber, nun ihre Fertigkeiten in den kommenden Tagen auszutesten und in Übung zu bleiben. Wir wechselten immerzu zwischen den Sprachen hin und her, was manchmal etwas verwirrend war – für uns und für andere im Raum wahrscheinlich auch. Marco konnte deutsch gut verstehen und teilweise sprechen. Mit ihm haben wir aber auf englisch gesprochen, was gut funktionierte, da man sich, wenn man in Vokabel-Engpässe kam, mit Hilfe beider Sprachen ausgezeichnet verständigen konnte, was auch dazu führte, dass wir uns über andere Themen besser und auch tiefgreifender unterhalten konnten.

Wir hatten den Plan, für einige Tage in Edmonton zu bleiben, um Vorräte aufzustocken, Wäsche zu waschen, Blogeinträge zu schreiben und eventuell unseren Vlog zum Laufen zu kriegen. Ansonsten hatten wir uns noch vorgenommen, den gesamten Blog ins englische zu übersetzen, für die Menschen, die wir hier in Kanada treffen. Davon ist fast nichts passiert.

Am Abend unserer Ankunft haben wir lecker Pizza gegessen und noch länger mit Marco und Kirstin geredet. Sie haben uns zusätzlich hilfreiche Tipps zum Reisen durch Kanada gegeben. Auch Franz war bestens bewandert auf dem Gebiet des Reisens durch die Gebirgsregionen British Columbias, da er selbst mit dem Mountainbike die ein oder andere Tour hindurch gemacht hatte. Es war ein schöner Abend und wie zuvor auf unserer Route waren wir bei wunderbaren Gastgebern.

Harte Arbeit in Edmonton
Marco zeigte uns unser „kleines“ Reich – der gesamte ausgebaute Keller: Ein großes Wohnzimmer mit Tisch und Sofas, einem Badezimmer mit Badewanne und Dusche und unserem Schlafzimmer, in dem ein großes Doppelbett stand. Als wir am Abend krachmüde in unser Bett fielen, konnten wir auf einen immens anstrengend Tag zurückblicken und doch freuten wir uns sehr auf die kommende Zeit bei unserer Gastfamilie.

An diesem Wochenende stand das alljährliche Kompostevent an, an welchem die gesamte Familie, mit freiwilligen Helferinnen, überall in der Stadt verteilt Kompost verkaufte. Am Abend nach getaner Arbeit sind dann alle, die Lust haben, zum gemeinsamen Essen im italienischen Restaurant eingeladen. Außerdem sollte davor noch ein Fußballturnier von Dante sein, was wir auf keinen Fall verpassen wollten!

Da wir nach unserer Rückkehr nach Bielefeld mit einem neu gegründeten Fußballteam in der wilden Liga durchstarten wollten, haben wir öfter davon geträumt, wie das wohl werden würde und haben uns gekonnt ins Fußballfieber versetzt. Danke an die lieben Menschen, die das während unserer Abwesenheit aufbauen! Wir freuen uns drauf!

Sven hat Kirstin morgens mit dem Auto zu ihrem Kompoststand gefahren. Als er zurückkam, machten wir uns zu Fuß auf den Weg in die Innenstadt. Neben einigen Besorgungen, die unsere Vorräte anbelangten, wollten wir gerne ein wenig von der Stadt sehen, da uns Calgary bereits so gut gefiel. Außerdem wollten wir uns den zweiten Teil der Buchreihe von Joe Abercrombie besorgen – das Vorlesen muss dann auf englisch fortgeführt werden. Die in Calgary nach Edmonton bestellten Bärensäcke sollten laut Infomail im MEC hier in Edmonton warten, ein Abstecher zu diesem geilen Outdoorladen war uns also auch nochmal gegönnt.

Der Fußmarsch in die Stadt dauerte seine Zeit, auch wenn wir das meiste besorgen konnten. Wir haben es auch endlich geschafft, einen Wasserfilter (wie von Bernie empfohlen – Hero auf ewig) in unsere Hände zu bekommen. Das Teil vernichtet 99,9% der Bakterien und so können wir in den entlegeneren Gegenden, in denen man innerhalb einiger Tage an keiner Siedlung vorbeikommt, Wasser von Bachläufen und Seen abzapfen. Das spart uns das Herumschleppen vieler Liter Wasser, die wir brauchen werden. Einige sagen auch, man könne das Wasser aus den fließenden Berggewässern ohne Filterung trinken, aber darauf wollen wir uns nicht verlassen. Die Wasserqualität ist in Kanada ohnehin nicht so gut. Das Wasser schmeckt oft chlorhaltig – zumindest aus den größeren Städten, in denen wir waren.

Was uns beim Reinfahren nach Edmonton schon aufgefallen ist und durch Kirstin, Marco und Franz bestätigt wurde: Das Radwegnetz in Edmonton ist echt bombastisch, uns ist in dieser Größenkategorie in Deutschland nichts Vergleichbares eingefallen. Selbst bis weit in die Innenstadt  gab es extra abgetrennte Radwege, der Fluss, der durch die gesamte Stadt verläuft und die großzügig darum angelegten Parkanlagen sollen zum Mountainbiken super sei. Dementsprechend viele Radfahrer haben wir hier auch gesehen. Was uns direkt ins Auge viel war, dass die Stadt an sich viel grüner ist als Calgary, viele mit Bäumen gesäumte Grünstreifen und kleinere und größere Parks. Kirstin meinte, dass man im Vergleich zu Calgary nicht extra Bäume pflanzen musste, ursprünglich erstreckten sich über das Stadtgebiet von Edmonton schon die Wälder aus dem Norden Kanadas, mittlerweile durch Farmland verdrängt. Ansonsten hatte Edmonton außerhalb der Innenstadt eher Vorstadtfeeling, viele Einfamilienhäuser mit kleinen Gärten neben wenig befahrenen Straßen. Der Sommer war hier anscheinend auch schon sehnsüchtig erwartet worden, die Leute nutzten das gute Wetter, um rauszukommen.

Unsere Erledigungen haben wir schnell abgehakt, das Buch von Abercrombie haben wir im dritten Anlauf auch gefunden, die Reiselektüre war also gesichert. Dank Ubahn sind wir auch noch rechtzeitig zurück gewesen, um mit Marco, Finn und Dante zu Dantes Turnier zu fahren.

Das Jugendlichen-System im Fußball unterscheidet sich in Edmonton ziemlich von dem in Deutschland. Die verschiedenen Stadtteile sind in Communitys unterteilt, innerhalb jeder Community werden Teams gebildet, die dann gegeneinander spielen, sodass man im Prinzip nur gegen Teams aus der Nachbarschaft antritt. Natürlich alles ehrenamtlich. Der Platz, auf dem das Turnier stattfand, war eine ziemlich große Rasenfläche, die zu einer Schule gehörte, es wurde auf fünf Plätzen gleichzeitig gespielt. Überall wuselten Kinder mit Fußballschuhen und Trikots, begleitet von Eltern oder Schaulustigen, wie wir es waren. Es hatte einen Familieneventcharakter, der in Kombination mit der Wärme der Sonne Sommergefühle verbreitete. Hier bestimmten Trainer die Aufstellung für das nächste Spiel, dort machte ein Schiedsrichter einen richtigen Einwurf vor, Bälle wurden über das grüne Geläuf gespielt, ein Hotdogstand versorgte erschöpfte Spieler (wir sind uns nicht mehr sicher, ob wir auch Spielerinnen gesehen haben) mit Hotdogs und gekühlter Limo.

Dantes Team dominierte weitestgehend das Spiel und gewann relativ deutlich, er selbst war vom Kompostverkauf am Mittag noch ziemlich fertig, hatte aber trotzdem seinen Spaß. Am Ende stand Platz eins, Medaillen für Trainer und Spieler, alle happy. Danach hat Marco Finn und uns beim Restaurant rausgeworfen und ist weitergefahren, um Kirstin abzuholen.

Im Restaurant haben wir dann noch weitere freiwillige Helferinnen kennengelernt. Es war super lecker und ein schönes Beisammensein, auch wenn wir leider nicht an einem großen Tisch gemeinsam saßen, sondern an mehreren Tischen eines Raumabteils verteilt.

Aber auch hier haben wir uns prächtig unterhalten. Wir waren in diesen Tagen irgendwie ein Teil der Familie, wurden in ihr Leben eingespannt (hatten zumindest Möglichkeiten dazu, die wir auch gerne annahmen) und hatten so nochmal ganz andere Optionen, in das Leben in Kanada reinzuschnuppern.

Nach gemeinsamen Essen haben sich unsere Wege getrennt. Es war mittlerweile gegen 22 Uhr und das Restaurant war in der Whyte (oder Whyde?) Avenue, einer Kneipenmeile. Der Rest unserer Gesellschaft machte sich auf den Weg nach Hause. So nahmen wir uns vor, die Kneipen, Clubs und Spielhallen Edmontons zu erkunden! Wir gingen 10 Meter und bogen in die erste Kneipe ein – die auch unsere Letzte sein sollte...

Die Kneipe hatte einen großen Raum mit Bar, Tischen mit Bänken an den Wänden, Tischen im Raum mit hohen Barhockern und einen Fensterplatz direkt zur belebten Straße raus. Es war ein gemütlicher, warmer Abend, sodass viele Menschen raus auf die Straßen getrieben wurden, in Schale geschmissen und bestens drauf. Ein kleiner Gang im hinteren Teil des Gebäudes führte zum Badezimmer und in einen weiteren Raum, in dem eine Band spielte – hier gab’s nur Einlass mit Karte.

Wir nahmen direkt den freien Platz direkt am Fenster und beobachteten das bunte Treiben, das sich uns bot. Es war zwar kein New York City, aber dennoch waren es so viele Menschen auf einem Haufen, wie wir es schon seit einiger Zeit nicht mehr gesehen hatten.
 
Fensterplatz in der Bar
In der Bar tummelten sich 30, 40, 50 Leute – die Fluktuation war groß. Als wir unser erstes Bier vor uns stehen, das erste Erstaunen über den Moment ausgedrückt hatten und uns einig waren, dass hier ein guter Ort zum Biertrinken war, hofften wir, dass unser Kennenlernglück fremder Menschen weiter anhielt.

Draußen tummelte sich eine Gruppe junger Leute um die 25+-, die nach dem Rauchen die Kneipe betraten und an uns vorbeikamen, da unser Fensterplatz nicht weit vom Eingang gelegen war. Da wir beide sehr schlecht mit Namen sind, haben wir den Namen der jungen Frau, mit der wir ins Gespräch kamen, leider auch wieder vergessen. Wir witzelten, erzählten und lauschten ihr. Es ist für uns auf dieser Reise selten geworden, dass wir uns mit Menschen in unserem Alter (wobei wir ja schon ein paar Jahre auseinander liegen mit 21 und 28) unterhalten haben. Wir haben von ihr einiges über das Nachtleben Edmontons erfahren und soweit wir uns erinnern können, war es einfach ein „anderes“ Gespräch. Wir haben nicht viel über unsere Reise erzählt. Das Gespräch ging über einen einfachen Smalltalk hinaus. Wir saßen mit ihr und ihrem Freund - ein Punker, der Linus optisch sehr an einen jungen Jonas Döbler erinnerte (Grüße gehen raus!) - einige Zeit zusammen. Beide waren unglaublich aufgeschlossen und zu Späßen aufgelegt. Wir erinnern uns, dass wir uns Witze erzählten, auch wenn das mit der Umschreibung von Deutsch zu Englisch manchmal etwas schwierig war.

Unser namenloser Kontakt aus der Bar
Sven erinnert sich noch an einen Witz, den der junge Mann erzählte.

Eine englische Familie adoptiert ein junges deutsches Kind im Alter von einem Jahr. Mit drei Jahren hat das Kind noch immer kein Wort gesprochen. Der Arzt, den die Eltern aufsuchen, verspricht ihnen, dass es dem Kind bestens geht. Es ist gesund.
Mit sechs Jahren hat das Kind allerdings immer noch kein Wort gesprochen. Also geht es wieder zum Arzt und dieser erklärt erneut, dass es dem Kind an nichts fehle.
Als das Kind neun Jahre alt ist und am Mittagstisch sitzt, bemerkt es: „Die Suppe ist etwas kalt.“
Die Eltern starren ihr Kind an, erfreut darüber, dass es spricht, vielleicht etwas traurig, dass die ersten Worte nicht „Mama“ oder „Papa“ sind. Da fragt die Mutter: „Warum hast du denn bisher noch nichts gesagt?“
Kind: „Bisher gabs noch nichts zu meckern“.

Als wir wieder an unserem Fensterplatz saßen, tauchte irgendwann Jakob auf, der einen Eimer mit Eis mit sich herumschleppte. Darin befanden sich mehrere Dosen Bier, die er gerne mit uns teilte. Er erklärte uns, dass er zu 1/8 Deutscher ist und daher Unmengen an Bier trinkt – und auch nur das!

Als der Eimer leer war, besorgte er straight neues. Der Abend rutschte in eine Richtung, wie wir es nicht erwartet hatten. Uns fehlen in einigen Passagen zu viele Erinnerungen, um den Abend fortlaufend beschreiben zu können. Ein kleines Video vom Rückweg ist geblieben, was uns die Bestätigung gab: Die Nacht hat uns mehr als gut gefallen. Es war eine willkommene Abwechslung und bis hierhin völlig einzigartig. Wir sind froh, dass unsere Tour so viele unterschiedliche Momente für uns bereithält.

Am nächsten Tag wurde lange geschlafen und wir haben es ruhig angehen lassen. Es war Muttertag und es sollte am Abend gegrillt werden, also haben wir bei den Vorbereitungen ein wenig mitgeholfen und uns viel mit Kirstin und Gladdis (die Mutter von Marco) unterhalten. Gladdis hat bereits die ganze Welt bereist: „So günstig wie niemand sonst“. Es gab viel zu hören, wie sie mit ihren Tricks und Kniffen von Ort zu Ort reiste und sich so Stück für Stück die Teile der Weltkarte erschloss. Irgendwann hat sie auch ein bisschen von ihrer Flucht aus El Salvador erzählt, die ganzen Einzelheiten sind uns nicht geblieben, aber es ist beeindruckend, so eine bewegende Geschichte aus erster Hand zu hören.

Am späten Nachmittag kam Marco von der Arbeit und machte sich direkt ans Kochen. Es war ein schönes Bild, wir saßen draußen auf der Terrasse im Sonnenschein, drinnen war Marco zu Manu Chao in seine Kochkünste vertieft. Gegen sechs Uhr kamen Franz und seine Freundin Miranda und Vanessa mit Matt vorbei (Marcos Schwester und ihr Mann). Es gab kleine Tortillas mit Ente/Schwein und zwei unglaublich leckeren Zwiebelsoßen, Marco hatte ganze Arbeit geleistet. Wir saßen bis zum letzten Sonnenlicht, Sprachen mit Matt, der in Dawson Creek aufgewachsen ist, über unsere Tour, Bären und Outdoorcamping. Matt hatte Lust, seine Erfahrungen mit uns zu teilen. Sowas ist besser als jedes Buch. Er war auch ziemlich entspannt, was Bären angeht und meinte genau wie Kirstin, dass wir eher vor den Autos aufpassen sollen.

Am letzten Tag vor unserer Abreise haben wir ein Ärztehaus aufgesucht. Linus hat beim längeren Radfahren starke Schmerzen in der linken Schulter bekommen, die durch die Dauerbelastung nicht wirklich zur Ruhe kam. Fühlt sich an wie ein Nadelkissen, in das mit fortlaufender Fahrt immer weitere Nadeln hineingeschoben werden. Das Ganze gipfelt dann im Taubheitsgefühl. Die Klinik schickte uns zu einem Ärztehaus 15 Kilometer entfernt, was wir dann gelassen haben – es müssen die Pausen auf der Tour reichen.

Ursprünglich wollte Linus sich auch nur ein paar Tipps abholen, Dehnübungen die er machen kann oder ähnliches. Ein bisschen Sorge, die Tour abbrechen zu müssen, war schon vorhanden. Wenn jemand ‘ne Ahnung hat, kann er es gerne in die Kommentare schreiben :)

Ansonsten waren wir noch in einem Do-It-Yourself Fahrradladen, da Sven an seinem Fahrrad noch Schutzbleche montieren wollte. Der Laden war völlig überlaufen und einige freiwillige Helfer haben den hereinströmenden Kunden mit Rat und Tat zur Seite gestanden. Eine totale Rumpelkammer, vollgestopft mit Stuff, den Leute hier abgegeben haben und der in -zig beschrifteten Dosen, Kästen, Kisten, Eimern und Regalen verstaut war.

Das Ganze hat viel Zeit in Anspruch genommen und wir mussten danach noch bis spät in die Nacht unsere Sachen packen und den morgigen Aufbruch planen. Ab morgen wird es dann aber losgehen. Ein ganz neuer Abschnitt unserer Reise. Auf ins Bear Country, in dem unsere Bearbags ausgetestet werden sollen. Und all unser Wissen, das wir in den letzten Wochen angesammelt haben. Auf dem Weg nach Edmonton wollten wir in Form kommen, die weiten Ebenen der Prärie waren dafür der beste Start und so durfte es jetzt in die Berge gehen, was voraussichtlich sehr viel anstrengender sein wird. 

Edmonton - Blick aus der Stadt

So machten wir uns am nächsten Morgen auf, raus aus Edmonton und auf nach Westen. Hinton, eine kleine Stadt östlich an den Rockies, sollte in den nächsten Tagen unser Ziel sein.

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