Der Weg bis nach Edmonton war lang und beschwerlich, aber
alles sollte sich auszahlen, wie wir noch feststellen durften.
Als wir die ersten Ortsteile Edmontons erreichten, mussten
wir uns noch einige Kilometer bis zu der Adresse durchwühlen, die uns von Svens
Tante genannt wurde – Verwandte ihres Mannes.
Das Fahrradstraßennetz war in Edmonton weitaus besser
ausgebaut als in Calgary und wir kamen richtig gut und gemütlich voran. Da wir
nun etwas Zeit hatten, uns mit dem Straßennetz auseinanderzusetzen, konnten wir
die Adresse auf unserer Karte schnell ausmachen.
Als wir suchend durch den Wohnblock fuhren, in dem das Haus
liegen sollte, kam uns ein breit grinsender Herr entgegen. Linus und sein Blick
trafen sich, während Sven bereits einige Meter vorausgefahren war.
„Seid ihr Deutsche?“, fragte er deutlich, mit schwachem
Akzent. Sah man uns das so an? Oder eilt uns unser Ruf voraus – zwei dusselige
deutsche Touris, die mit dem Fahrrad durch West Kanada fahren. Nun weiß man
schon in der Hauptstadt Albertas von uns.
Er stellte sich als Marco vor und dass er und seine Familie uns
schon erwartete. Wir stellten einander vor und er nahm uns die Straße hinunter
mit zu deren Haus, welches wir vor wenigen Sekunden in unserem erschöpften
Zustand bereits passierten. In der Eingangstür standen zwei junge Männer, die
uns auch freundlich begrüßten. Der eine heißt Finn, ein Cousin, der zu Besuch
ist, der andere Franz, der älteste Sohn des Hauses. Letzteren hatte Sven
bereits vor einigen Jahren in Deutschland gesehen, als er in Bielefeld zu
Besuch war. Franz führte uns hinter das Haus, wo wir unsere Räder abpackten und
dann in die Garage stellen konnten – seit einigen Tagen soll ein Fahrraddieb
hier seine Runden drehen.
Wir waren völlig erschöpft. Der Weg hierher war eine
unnatürliche Kraftanstrengung und wir waren uns bis zuletzt nicht sicher, ob
wir den Weg an diesem Tage hinter uns bringen konnten. Doch die Familie empfing
uns mit so viel positiver Stimmung und Energie, dass Sven sich direkt zu ihnen
oben in das Wohnzimmer setzte, während Linus für einen kurzen Moment erst die
Dusche vorzog – die letzte war schon einige Tage her und Klamotten wurden nicht
viel gewechselt.
Das Haus war eines der moderneren Slim-Häuser. Ein
langgezogenes, schmales Haus, welches im Erdgeschoss neben dem Treppenaufstieg
lediglich einen großen Raum hatte: Küche, Esszimmer und Wohnzimmer in einem.
Neben Marco, Franz und Finn waren auch noch der jüngste Sohn des Hauses Dante
(Linus findet diesen Namen einfach phänomenal) und Kirstin, die Frau von Marco,
anwesend. Nicht zu vergessen natürlich Argo, ein ruhiger großer Hund, der auf
seiner Decke lag und das ganze Treiben ruhig beobachtete.
| Kirstin, Marco, Dante und Argo |
Kirstin hatte eine Fußverletzung und war dazu verdammt, die
Tage auf der Couch zu liegen und den Fuß bestmöglich nicht zu belasten. Sie
fährt äußerst gerne Fahrrad und hätte gerne mit uns zusammen auf Rädern die
Stadt erkundet. Außerdem sprach sie fließend Deutsch und freute sich darüber,
nun ihre Fertigkeiten in den kommenden Tagen auszutesten und in Übung zu
bleiben. Wir wechselten immerzu zwischen den Sprachen hin und her, was manchmal
etwas verwirrend war – für uns und für andere im Raum wahrscheinlich auch.
Marco konnte deutsch gut verstehen und teilweise sprechen. Mit ihm haben wir
aber auf englisch gesprochen, was gut funktionierte, da man sich, wenn man in
Vokabel-Engpässe kam, mit Hilfe beider Sprachen ausgezeichnet verständigen
konnte, was auch dazu führte, dass wir uns über andere Themen besser und auch
tiefgreifender unterhalten konnten.
Wir hatten den Plan, für einige Tage in Edmonton zu bleiben,
um Vorräte aufzustocken, Wäsche zu waschen, Blogeinträge zu schreiben und eventuell
unseren Vlog zum Laufen zu kriegen. Ansonsten hatten wir uns noch vorgenommen,
den gesamten Blog ins englische zu übersetzen, für die Menschen, die wir hier
in Kanada treffen. Davon ist fast nichts passiert.
Am Abend unserer Ankunft haben wir lecker Pizza gegessen und
noch länger mit Marco und Kirstin geredet. Sie haben uns zusätzlich hilfreiche
Tipps zum Reisen durch Kanada gegeben. Auch Franz war bestens bewandert auf dem
Gebiet des Reisens durch die Gebirgsregionen British Columbias, da er selbst
mit dem Mountainbike die ein oder andere Tour hindurch gemacht hatte. Es war
ein schöner Abend und wie zuvor auf unserer Route waren wir bei wunderbaren
Gastgebern.
| Harte Arbeit in Edmonton |
Marco zeigte uns unser „kleines“ Reich – der gesamte
ausgebaute Keller: Ein großes Wohnzimmer mit Tisch und Sofas, einem Badezimmer
mit Badewanne und Dusche und unserem Schlafzimmer, in dem ein großes Doppelbett
stand. Als wir am Abend krachmüde in unser Bett fielen, konnten wir auf einen
immens anstrengend Tag zurückblicken und doch freuten wir uns sehr auf die
kommende Zeit bei unserer Gastfamilie.
An diesem Wochenende stand das alljährliche Kompostevent an,
an welchem die gesamte Familie, mit freiwilligen Helferinnen, überall in der
Stadt verteilt Kompost verkaufte. Am Abend nach getaner Arbeit sind dann alle,
die Lust haben, zum gemeinsamen Essen im italienischen Restaurant eingeladen.
Außerdem sollte davor noch ein Fußballturnier von Dante sein, was wir auf
keinen Fall verpassen wollten!
Da wir nach unserer Rückkehr nach Bielefeld mit einem neu
gegründeten Fußballteam in der wilden Liga durchstarten wollten, haben wir
öfter davon geträumt, wie das wohl werden würde und haben uns gekonnt ins
Fußballfieber versetzt. Danke an die lieben Menschen, die das während unserer
Abwesenheit aufbauen! Wir freuen uns drauf!
Sven hat Kirstin morgens mit dem Auto zu ihrem Kompoststand
gefahren. Als er zurückkam, machten wir uns zu Fuß auf den Weg in die
Innenstadt. Neben einigen Besorgungen, die unsere Vorräte anbelangten, wollten
wir gerne ein wenig von der Stadt sehen, da uns Calgary bereits so gut gefiel.
Außerdem wollten wir uns den zweiten Teil der Buchreihe von Joe Abercrombie
besorgen – das Vorlesen muss dann auf englisch fortgeführt werden. Die in
Calgary nach Edmonton bestellten Bärensäcke sollten laut Infomail im MEC hier
in Edmonton warten, ein Abstecher zu diesem geilen Outdoorladen war uns also
auch nochmal gegönnt.
Der Fußmarsch in die Stadt dauerte seine Zeit, auch wenn wir
das meiste besorgen konnten. Wir haben es auch endlich geschafft, einen
Wasserfilter (wie von Bernie empfohlen – Hero auf ewig) in unsere Hände zu
bekommen. Das Teil vernichtet 99,9% der Bakterien und so können wir in den
entlegeneren Gegenden, in denen man innerhalb einiger Tage an keiner Siedlung
vorbeikommt, Wasser von Bachläufen und Seen abzapfen. Das spart uns das Herumschleppen
vieler Liter Wasser, die wir brauchen werden. Einige sagen auch, man könne das
Wasser aus den fließenden Berggewässern ohne Filterung trinken, aber darauf
wollen wir uns nicht verlassen. Die Wasserqualität ist in Kanada ohnehin nicht
so gut. Das Wasser schmeckt oft chlorhaltig – zumindest aus den größeren Städten,
in denen wir waren.
Was uns beim Reinfahren nach Edmonton schon aufgefallen ist
und durch Kirstin, Marco und Franz bestätigt wurde: Das Radwegnetz in Edmonton
ist echt bombastisch, uns ist in dieser Größenkategorie in Deutschland nichts Vergleichbares
eingefallen. Selbst bis weit in die Innenstadt
gab es extra abgetrennte Radwege, der Fluss, der durch die gesamte Stadt
verläuft und die großzügig darum angelegten Parkanlagen sollen zum
Mountainbiken super sei. Dementsprechend viele Radfahrer haben wir hier auch gesehen.
Was uns direkt ins Auge viel war, dass die Stadt an sich viel grüner ist als
Calgary, viele mit Bäumen gesäumte Grünstreifen und kleinere und größere Parks.
Kirstin meinte, dass man im Vergleich zu Calgary nicht extra Bäume pflanzen
musste, ursprünglich erstreckten sich über das Stadtgebiet von Edmonton schon
die Wälder aus dem Norden Kanadas, mittlerweile durch Farmland verdrängt.
Ansonsten hatte Edmonton außerhalb der Innenstadt eher Vorstadtfeeling, viele
Einfamilienhäuser mit kleinen Gärten neben wenig befahrenen Straßen. Der Sommer
war hier anscheinend auch schon sehnsüchtig erwartet worden, die Leute nutzten
das gute Wetter, um rauszukommen.
Unsere Erledigungen haben wir schnell abgehakt, das Buch von
Abercrombie haben wir im dritten Anlauf auch gefunden, die Reiselektüre war
also gesichert. Dank Ubahn sind wir auch noch rechtzeitig zurück gewesen, um
mit Marco, Finn und Dante zu Dantes Turnier zu fahren.
Das Jugendlichen-System im Fußball unterscheidet sich in
Edmonton ziemlich von dem in Deutschland. Die verschiedenen Stadtteile sind in
Communitys unterteilt, innerhalb jeder Community werden Teams gebildet, die
dann gegeneinander spielen, sodass man im Prinzip nur gegen Teams aus der
Nachbarschaft antritt. Natürlich alles ehrenamtlich. Der Platz, auf dem das
Turnier stattfand, war eine ziemlich große Rasenfläche, die zu einer Schule
gehörte, es wurde auf fünf Plätzen gleichzeitig gespielt. Überall wuselten
Kinder mit Fußballschuhen und Trikots, begleitet von Eltern oder Schaulustigen,
wie wir es waren. Es hatte einen Familieneventcharakter, der in Kombination mit
der Wärme der Sonne Sommergefühle verbreitete. Hier bestimmten Trainer die
Aufstellung für das nächste Spiel, dort machte ein Schiedsrichter einen
richtigen Einwurf vor, Bälle wurden über das grüne Geläuf gespielt, ein
Hotdogstand versorgte erschöpfte Spieler (wir sind uns nicht mehr sicher, ob
wir auch Spielerinnen gesehen haben) mit Hotdogs und gekühlter Limo.
Dantes Team dominierte weitestgehend das Spiel und gewann
relativ deutlich, er selbst war vom Kompostverkauf am Mittag noch ziemlich
fertig, hatte aber trotzdem seinen Spaß. Am Ende stand Platz eins, Medaillen
für Trainer und Spieler, alle happy. Danach hat Marco Finn und uns beim
Restaurant rausgeworfen und ist weitergefahren, um Kirstin abzuholen.
Im Restaurant haben wir dann noch weitere freiwillige
Helferinnen kennengelernt. Es war super lecker und ein schönes Beisammensein,
auch wenn wir leider nicht an einem großen Tisch gemeinsam saßen, sondern an
mehreren Tischen eines Raumabteils verteilt.
Aber auch hier haben wir uns prächtig unterhalten. Wir waren
in diesen Tagen irgendwie ein Teil der Familie, wurden in ihr Leben eingespannt
(hatten zumindest Möglichkeiten dazu, die wir auch gerne annahmen) und hatten
so nochmal ganz andere Optionen, in das Leben in Kanada reinzuschnuppern.
Nach gemeinsamen Essen haben sich unsere Wege getrennt. Es
war mittlerweile gegen 22 Uhr und das Restaurant war in der Whyte (oder Whyde?)
Avenue, einer Kneipenmeile. Der Rest unserer Gesellschaft machte sich auf den
Weg nach Hause. So nahmen wir uns vor, die Kneipen, Clubs und Spielhallen
Edmontons zu erkunden! Wir gingen 10 Meter und bogen in die erste Kneipe ein –
die auch unsere Letzte sein sollte...
Die Kneipe hatte einen großen Raum mit Bar, Tischen mit
Bänken an den Wänden, Tischen im Raum mit hohen Barhockern und einen
Fensterplatz direkt zur belebten Straße raus. Es war ein gemütlicher, warmer
Abend, sodass viele Menschen raus auf die Straßen getrieben wurden, in Schale
geschmissen und bestens drauf. Ein kleiner Gang im hinteren Teil des Gebäudes
führte zum Badezimmer und in einen weiteren Raum, in dem eine Band spielte –
hier gab’s nur Einlass mit Karte.
Wir nahmen direkt den freien Platz direkt am Fenster und
beobachteten das bunte Treiben, das sich uns bot. Es war zwar kein New York
City, aber dennoch waren es so viele Menschen auf einem Haufen, wie wir es
schon seit einiger Zeit nicht mehr gesehen hatten.
In der Bar tummelten sich 30, 40, 50 Leute – die Fluktuation
war groß. Als wir unser erstes Bier vor uns stehen, das erste Erstaunen über den
Moment ausgedrückt hatten und uns einig waren, dass hier ein guter Ort zum
Biertrinken war, hofften wir, dass unser Kennenlernglück fremder Menschen
weiter anhielt.
Draußen tummelte sich eine Gruppe junger Leute um die 25+-,
die nach dem Rauchen die Kneipe betraten und an uns vorbeikamen, da unser
Fensterplatz nicht weit vom Eingang gelegen war. Da wir beide sehr schlecht mit
Namen sind, haben wir den Namen der jungen Frau, mit der wir ins Gespräch
kamen, leider auch wieder vergessen. Wir witzelten, erzählten und lauschten
ihr. Es ist für uns auf dieser Reise selten geworden, dass wir uns mit Menschen
in unserem Alter (wobei wir ja schon ein paar Jahre auseinander liegen mit 21
und 28) unterhalten haben. Wir haben von ihr einiges über das Nachtleben
Edmontons erfahren und soweit wir uns erinnern können, war es einfach ein
„anderes“ Gespräch. Wir haben nicht viel über unsere Reise erzählt. Das
Gespräch ging über einen einfachen Smalltalk hinaus. Wir saßen mit ihr und
ihrem Freund - ein Punker, der Linus optisch sehr an einen jungen Jonas Döbler
erinnerte (Grüße gehen raus!) - einige Zeit zusammen. Beide waren unglaublich
aufgeschlossen und zu Späßen aufgelegt. Wir erinnern uns, dass wir uns Witze
erzählten, auch wenn das mit der Umschreibung von Deutsch zu Englisch manchmal
etwas schwierig war.
| Unser namenloser Kontakt aus der Bar |
Sven erinnert sich noch an einen Witz, den der junge Mann
erzählte.
Eine englische Familie adoptiert ein junges deutsches
Kind im Alter von einem Jahr. Mit drei Jahren hat das Kind noch immer kein Wort
gesprochen. Der Arzt, den die Eltern aufsuchen, verspricht ihnen, dass es dem
Kind bestens geht. Es ist gesund.
Mit sechs Jahren hat das Kind allerdings immer noch kein
Wort gesprochen. Also geht es wieder zum Arzt und dieser erklärt erneut, dass
es dem Kind an nichts fehle.
Als das Kind neun Jahre alt ist und am Mittagstisch
sitzt, bemerkt es: „Die Suppe ist etwas kalt.“
Die Eltern starren ihr Kind an, erfreut darüber, dass es spricht,
vielleicht etwas traurig, dass die ersten Worte nicht „Mama“ oder „Papa“ sind.
Da fragt die Mutter: „Warum hast du denn bisher noch nichts gesagt?“
Kind: „Bisher gabs noch nichts zu meckern“.
Als wir wieder an unserem Fensterplatz saßen, tauchte
irgendwann Jakob auf, der einen Eimer mit Eis mit sich herumschleppte. Darin
befanden sich mehrere Dosen Bier, die er gerne mit uns teilte. Er erklärte uns,
dass er zu 1/8 Deutscher ist und daher Unmengen an Bier trinkt – und auch nur
das!
Als der Eimer leer war, besorgte er straight neues. Der
Abend rutschte in eine Richtung, wie wir es nicht erwartet hatten. Uns fehlen
in einigen Passagen zu viele Erinnerungen, um den Abend fortlaufend beschreiben
zu können. Ein kleines Video vom Rückweg ist geblieben, was uns die Bestätigung
gab: Die Nacht hat uns mehr als gut gefallen. Es war eine willkommene
Abwechslung und bis hierhin völlig einzigartig. Wir sind froh, dass unsere Tour
so viele unterschiedliche Momente für uns bereithält.
Am nächsten Tag wurde lange geschlafen und wir haben es
ruhig angehen lassen. Es war Muttertag und es sollte am Abend gegrillt werden,
also haben wir bei den Vorbereitungen ein wenig mitgeholfen und uns viel mit
Kirstin und Gladdis (die Mutter von Marco) unterhalten. Gladdis hat bereits die
ganze Welt bereist: „So günstig wie niemand sonst“. Es gab viel zu hören, wie
sie mit ihren Tricks und Kniffen von Ort zu Ort reiste und sich so Stück für
Stück die Teile der Weltkarte erschloss. Irgendwann hat sie auch ein bisschen von
ihrer Flucht aus El Salvador erzählt, die ganzen Einzelheiten sind uns nicht
geblieben, aber es ist beeindruckend, so eine bewegende Geschichte aus erster
Hand zu hören.
Am späten Nachmittag kam Marco von der Arbeit und machte
sich direkt ans Kochen. Es war ein schönes Bild, wir saßen draußen auf der Terrasse
im Sonnenschein, drinnen war Marco zu Manu Chao in seine Kochkünste vertieft.
Gegen sechs Uhr kamen Franz und seine Freundin Miranda und Vanessa mit Matt
vorbei (Marcos Schwester und ihr Mann). Es gab kleine Tortillas mit
Ente/Schwein und zwei unglaublich leckeren Zwiebelsoßen, Marco hatte ganze
Arbeit geleistet. Wir saßen bis zum letzten Sonnenlicht, Sprachen mit Matt, der
in Dawson Creek aufgewachsen ist, über unsere Tour, Bären und Outdoorcamping. Matt
hatte Lust, seine Erfahrungen mit uns zu teilen. Sowas ist besser als jedes
Buch. Er war auch ziemlich entspannt, was Bären angeht und meinte genau wie Kirstin,
dass wir eher vor den Autos aufpassen sollen.
Am letzten Tag vor unserer Abreise haben wir ein Ärztehaus
aufgesucht. Linus hat beim längeren Radfahren starke Schmerzen in der linken
Schulter bekommen, die durch die Dauerbelastung nicht wirklich zur Ruhe kam.
Fühlt sich an wie ein Nadelkissen, in das mit fortlaufender Fahrt immer weitere
Nadeln hineingeschoben werden. Das Ganze gipfelt dann im Taubheitsgefühl. Die
Klinik schickte uns zu einem Ärztehaus 15 Kilometer entfernt, was wir dann
gelassen haben – es müssen die Pausen auf der Tour reichen.
Ursprünglich wollte Linus sich auch nur ein paar Tipps
abholen, Dehnübungen die er machen kann oder ähnliches. Ein bisschen Sorge, die
Tour abbrechen zu müssen, war schon vorhanden. Wenn jemand ‘ne Ahnung hat, kann
er es gerne in die Kommentare schreiben :)
Ansonsten waren wir noch in einem Do-It-Yourself Fahrradladen,
da Sven an seinem Fahrrad noch Schutzbleche montieren wollte. Der Laden war
völlig überlaufen und einige freiwillige Helfer haben den hereinströmenden
Kunden mit Rat und Tat zur Seite gestanden. Eine totale Rumpelkammer,
vollgestopft mit Stuff, den Leute hier abgegeben haben und der in -zig
beschrifteten Dosen, Kästen, Kisten, Eimern und Regalen verstaut war.
Das Ganze hat viel Zeit in Anspruch genommen und wir mussten
danach noch bis spät in die Nacht unsere Sachen packen und den morgigen
Aufbruch planen. Ab morgen wird es dann aber losgehen. Ein ganz neuer Abschnitt
unserer Reise. Auf ins Bear Country, in dem unsere Bearbags ausgetestet werden
sollen. Und all unser Wissen, das wir in den letzten Wochen angesammelt haben.
Auf dem Weg nach Edmonton wollten wir in Form kommen, die weiten Ebenen der
Prärie waren dafür der beste Start und so durfte es jetzt in die Berge gehen,
was voraussichtlich sehr viel anstrengender sein wird.
| Edmonton - Blick aus der Stadt |
So machten wir uns am nächsten Morgen auf, raus aus Edmonton
und auf nach Westen. Hinton, eine kleine Stadt östlich an den Rockies, sollte
in den nächsten Tagen unser Ziel sein.
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