Der Start aus Edmonton verlief ähnlich wie der Start aus
Calgary etwas träge. Wir standen früh auf, um uns von Kirstin, Marco und Dante
zu verabschieden, die zur Arbeit und zur Schule mussten. Die Nacht war
dementsprechend kurz, und wir genossen am Morgen den Luxus von gutem Kaffee und
einem entspannten Frühstück ausgiebig, bis wir nach und nach aus unserem
Halbschlaf erwachten und unsere sieben Sachen packten, bis es dann gegen Mittag
losging.
Der Weg aus Edmonton raus verlief relativ ereignislos,
allerdings fuhren wir nicht wie geplant über den Highway 16a aus der Stadt,
sondern nahmen eine weniger geschäftige Parallelstraße. Die versackte dann
irgendwann auf einer üblen Schotterpiste, die wir bei der nächsten Möglichkeit
Richtung Highway verließen. Ein breiter Seitenstreifen machte das Fahren neben
den vielen Autos erträglich und wir spulten bis zum Abend noch einige Kilometer
runter, fuhren beim Wabamun Lake Provincial Park vom Highway ab und suchten den
zugehörigen Campingplatz, der noch ziemlich leer war. Die nette Frau im Office
warnte uns vor dem kommenden May-long-weekend. Dieser ominöse Zeitpunkt, von
dem uns schon in Drumheller berichtet wurde, wo das Wetter besser werden soll
und alles auf die Campingplätze und in die Natur strömt. Sie meinte, wir
sollten auf jeden Fall vorbuchen, wenn wir auf Campingplätze wollen. Hier
hatten wir aber fast noch freie Platzwahl, durch die Bäume sah man nur
vereinzelt andere Camper. Am nächsten Tag gings mit Nieselregen los, der sich
bis zum Nachmittag hielt. Wir entschieden uns, noch einen Tag zu bleiben und
das schlechte Wetter auszusitzen. Blogschreiben, Lesen und Frisbeewerfen füllen
solche Tage hervorragend aus.
Die Sonne weckte uns am nächsten Tag und lockte uns wieder
auf die Piste. Und wie! Das gute Wetter machte die Beine leicht und wir flogen
über den Highway, der, je weiter wir uns von Edmonton entfernten, immer leerer
wurde. Die sanften Hügel wurden immer mehr durch kleine Wäldchen geschmückt,
die immer größer wurden und in den nächsten Tagen die Felder und Wiesen
komplett ablösten und zu einem dichten Wald wurden, der sich entlang der
vierspurigen Fahrbahn erstreckte. Mittag machten wir an einem kleinen
Generalstore am Highway und erkundigten uns nach dem nächsten Campingplatz auf
unserer Route. Zweimal wurde uns Noejack genannt, läge direkt am Highway, nicht
zu verfehlen. Der Name stand dann auch einige Kilometer später neben Jasper und
Hinton auf einem Kilometerangabenschild, wir beschlossen also, das kleine Dorf
anzusteuern. Dreißig Kilometer später offenbarte sich uns dann Noejack. 23
Campingbänke, eine Wasserpumpe und ein Toilettenhaus waren die Ausstattung
Noejacks, dass tatsächlich nur aus diesem Campingplatz bestand. Wahrscheinlich
die 23 bekanntesten Bänke, die uns bis jetzt begegnet sind. Für uns war der
Campingplatz aber super, wir machen uns beim Schlafen nichts aus Straßenlärm
und selbst der nahm zum Abend hin stark ab, so dass nur noch ab und zu ein
Truck störend vorbeisauste. Es ist schon interessant, wie wenig Menschen hier
oben leben. Über die Tage bis hin zu den Rockies konnte man förmlich spüren,
wie einem mit jedem Kilometer weniger Autos entgegenkamen und einen überholten.
![]() |
| Unser Plätzchen bei NoeJack |
Das eigentlich Erwähnenswerte zu Noejack war, dass, als wir
die Einfahrt runterrollten, ein anderes, voll bepacktes Fahrrad zwischen den
Bäumen stand. Wie sich herausstellte, gehörte es zu Daniel, der vor einigen Tagen
aus Edmonton aufgebrochen war und uns wahrscheinlich den ganzen Tag nur einige
Kilometer voraus war, er war nur wenige Minuten vor uns eingetroffen. Für uns
drei das erste Mal auf unseren Touren, dass wir andere Radfahrer trafen.
Nachdem wir alles im Zelt verstaut hatten und unsere Bärensäcke, auf Rat von
Daniel, aufgehängt hatten (bei Wabamun Lake wurden wir auf die Frage nach Bären
noch etwas komisch angeguckt), saßen wir noch etwas zusammen, tauschten uns
über unsere Routen aus und glichen Reiseerfahrungen ab. Er war echt ein
Sonnenschein, wenn er nicht lächelte, lachte er und versprühte große
Lebenslust. Sein Plan war es, am nächsten Tag bis Edson zu fahren, das die
nächste Stadt sein sollte. Von da würden ihn seine Eltern kurz fürs
Long-may-weekend einsammeln und ihn am Ende wieder dort absetzen, sein
eigentliches Ziel war Vancouver, dass er über Jasper und Kamploops erreichen
wollte. Er gab für die Campingplätze Entwarnung und bestätigte unseren
Gedanken, dass für ein Zelt eigentlich immer Platz wäre.
![]() |
| Bärensäcke fast fachgerecht verstaut |
Wir starteten am nächsten Tag eine halbe Stunde später als
Daniel, bekamen ihn aber trotz knapp über 23 km/h Durchschnittsgeschwindigkeit
nicht mehr zu Gesicht. Die Kurzlebigkeit mancher Begegnungen ist beim Reisen
dann auch schade, wir hätten uns gut vorstellen können, mit diesem netten Typ
ein paar Kilometer gemeinsam zu machen. Ziel an diesem Tag war Hornbeck Creek,
wieder ein Campingplatz direkt am Highway. Das Campareal war etwas vom
Parkplatz abgeschottet, so dass sich an der Seite des sich schlängelnden
Flusses und des Waldes eine gemütliche Campingidylle ergab. Neben uns hatten
noch zwei weitere Familien für ein paar Tage ihre Camper hier aufgestellt, ganz
entspannt also. Wir bekamen auch direkt von einer Frau Feuerholz angeboten,
campen ohne Lagerfeuer ist hier nicht häufig gesehen, man kann auch an fast
allen Campingplätzen Feuerholz kaufen. Am Abend haben wir wieder unsere
Bärensäcke in einen passenden Baum gehängt. Den passenden Baum zu finden
erweist sich als schwieriger als gedacht, obwohl wir ja jetzt im Waldgebiet
sind. Man muss einen Ast finden, der so hoch hängt, dass ein Grizzly nicht
drankommt und ein Schwarzbär ihn nicht abbrechen bzw. darauf klettern kann oder
ihn vom Stamm erreicht. Das Gewicht der Bärensäcke sollte der Ast natürlich
auch tragen. Die dicht stehenden und sehr dünnen Zedern bieten solche Äste
eigentlich gar nicht. Wir fanden dann schließlich doch einen passenden Ast oben
beim Parkplatz wo wir unser Zeug hinhängten. Unseren Lagerfeuerabend beendete
dann die Kühle der Nacht, zu der sich etwas Regen gesellte.
| Buchführung in Hornbeck Creek |
| Unser Platz bei Hornbeck Creek |
Der nächste Morgen war sonnig, für Hinton war aber den
ganzen Tag strömender Regen vorhergesagt, wir spielten mit dem Gedanken noch
eine Nacht hier zu bleiben und den Tag zum Blogschreiben zu nutzen. Dieser Plan
verflog relativ abrupt, als wir auf dem Weg zu unseren Bärensäcken
feststellten, dass eben diese nicht mehr da waren. Seil und Karabiner waren
auch weg, ein Bär war also auszuschließen. Hatte uns wirklich jemand mitten im
Nirgendwo unsere Bärensäcke geklaut? Wir waren irgendwie ziemlich
aufgeschmissen, schließlich war neben unserem ganzen Essen auch unser
Kochequipment in den Säcken gewesen. In dem Moment kamen ein paar blöde
Gedanken in uns hoch. Was, wenn wir die Säcke nicht wiederkriegen, den ganzen
Kram nachzukaufen dürfte ziemlich teuer bis unmöglich werden, schließlich haben
wir alles in Großstädten gekauft, bisher hatten wir in den ganzen kleineren
Dörfern noch nicht wirklich Outdoor-Ausrüster gesehen. Die in Kauf zu nehmenden
Umwege hätten auch ziemlich in unsere Routenplanung eingeschnitten, die durch
unsere langen Aufenthalte in Edmonton und Calgary und die kalten Nächte, die
damit verbundenen späten Starts, etwas zusammen gestutzt wurde.
Wir klopften bei einem RV, der neben unserem Baum stand und gestern
Abend noch nicht da war. Der Mann, der öffnete, konnte uns zumindest sagen, wer
unser Frühstück hatte. Um halb acht am Morgen ist wohl eine Frau vom
Campingplatzpersonal vorbeigekommen und hat die Selfregistration-Box geleert.
| Self Registration Card |
Dabei hat sie wohl unsere herrenlosen Bärensäcke gesehen und diese nach kurzer
Nachfrage bei ihm und seiner Frau, die natürlich nicht wussten, wem die Säcke
im Baum gehören, mitgenommen. Zum Frust gesellte sich nun Unverständnis. Wer
zum Geier fährt um halb acht morgens über den Campingplatz und sammelt Sachen
ein. Check-out ist um 14:00 Uhr, vergessene Sachen abgreifen ist also kein
Argument. Auch sollten in Bearcountry Bearbags nicht so unbekannt sein, dass
man nicht weiß, was das ist. Für uns schien es zumindest einfach nachzuvollziehen,
dass die zwei Räder und die Bärensäcke im Baum zusammengehören bzw.
irgendjemand über Nacht sein Essen in den Säcken sichert. Das Paar hatte die Mailadresse,
an die die Überweisungsträger für Kreditkartenbezahlung geschickt wurden, falls
man kein Bargeld dabei hat. Da das unsere einzige Hoffnung war haben wir an
Unbekannt unsere Hilfemail geschrieben und auf Antwort gewartet. In derselben
Zeit haben die beiden eine Telefonnummer herausgefunden und dort angerufen. Sie
schienen an der richtigen Adresse gewesen zu sein, zumindest schilderten sie
der Person an der anderen Seite der Leitung unsere Lage und meinten kurz
darauf, dass unsere Sachen in einer Stunde wieder da wären, jemand würde sie
vorbei bringen. Nochmal Glück gehabt.
Als wir von unseren Campingnachbarn gefragt wurden, wie
unsere Pläne nun aussähen und wir ihnen mittteilten, dass wir wegen des Wetters
in Hinton noch eine Nacht bleiben wollten, winkten diese nur ab. „You shouldn't trust the
weatherforecast, we have friends in Hinton, i gonna ask them what the weather
looks like!“ Von seinen Freunden gabs grünes Licht und als wir dann um
kurz nach eins unsere Bärensäcke ohne großen Kommentar vorbeigebracht bekamen,
machten wir uns noch auf den Weg nach Hinton, bei dem Tempo der letzten Tage
würden wir gegen Abend dort sein. Je näher wir den Rockies kamen, desto
hügeliger wurde es, der Weg nach Hinton war also doch nicht so leicht wie
gedacht und wir kamen ziemlich erschöpft und hungrig dort an, fanden den
Campingplatz aber ohne große Mühe. Das Büro war unbesetzt, wir fragten also
einfach einen der anderen Camper ob sie ein Auge auf die Räder haben könnten,
wir hatten auf dem Weg in die Stadt rein eine Pizzeria entdeckt, der wir einen
Besuch abstatten wollten. Ziemlich vollgefressen kamen wir zwei Stunden später
aus dem mit Eishockeypokalen vollgestellten Restaurant und machten uns auf den
Weg zurück zum Campingplatz. Das Büro war dort immer noch unbesetzt. Dan, der Mann,
dem wir unsere Räder anvertraut hatten, hatte sich mittlerweile ein Lagerfeuer
angezündet und wir gesellten uns mit ein paar Stücken Pizza, die wir nicht mehr
geschafft hatten dazu.
| Unser Platz in Hinton |
Nach kurzem Plausch haben wir uns in unser Zelt
zurückgezogen. Die Bärensäcke konnten wir zu Dan in den Wagen schmeißen, da es
auf dem Campground keine Bärencontainer gab und wir schon etwas gezeichnet
waren, durch unsere Erfahrung von letzter Nacht.
Am nächsten Morgen sollte es dann mit einiger Verspätung
losgehen. Wir wollten noch unsere Blogeinträge verschicken und auch einige
Videos hochladen, die wir auf unserer Tour bis hierhin gemacht hatten. Das
Internet war allerdings so unglaublich langsam, dass wir für die Blogeinträge
mitsamt Bildern noch einige weitere Stunden auf dem Campingplatz verbrachten.
Außerdem wollten wir unsere Geräte aufladen und dafür hatten wir lediglich die
Steckdosen aus den öffentlichen Waschräumen, die wir nicht völlig
unbeaufsichtigt lassen wollten. Also ging erst der Erste los: duschte sich,
putzte Zähne, schnitt Finger- und Fußnägel und danach der Zweite – Hauptsache
es dauert und wir können die Geräte aufladen.
Gegen 14 Uhr sind wir dann von dem Campinggelände
aufgebrochen, mussten dann allerdings noch einkaufen. Wir wussten zumindest,
dass die bevorstehenden Tage weniger Supermärkte für uns bereithielten und
wollten deshalb gut vorbereitet sein. Als dann eine weitere Stunde verging, war
das Frühstück schon einige Stunden her, sodass wir beim Supermarkt dann unsere
erste „Pause“ einrichteten und was aßen. Gegen 16 Uhr haben wir Hinton
verlassen, waren aber top motiviert, um nun in kürzester Zeit möglichst viele
Kilometer abzustrampeln, sodass wir unser Pensum bis vor Sonnenuntergang
erreichten.
Spannend waren die ersten Schilder, als wir auf den Highway
40 einbogen, die Autofahrerinnen davor warnten, dass man lieber noch volltanken
soll, da die nächste Tankstelle erst in ca. 200km auf einen wartete.
![]() |
| Rast am Highway 40 |
Der Highway 40 war eine ganz, ganz andere Herausforderung.
Die ersten 15-20 Kilometer sind wir stetig bergauf gefahren. Von „ein bisschen
Bergauf“, bis hin zu „extrem steil Bergauf“. Zumindest konnten wir beide, trotz
Fahren im kleinsten Gang, kaum fließend treten. Jeder Pedalentritt wurde von
einem Schnauben begleitet. Und wir beide wussten: Bei 8km/h bergauf wird das
die nächsten zwei Stunden so andauern. Und so war es auch. Dafür waren die
Pausen, die wir immer öfters einlegen mussten, um etwas zu trinken und die
Beine auszuschütteln, umso lohnender. Der Ausblick, den wir bekamen, umso höher
wir fuhren, war einfach unbeschreiblich. Das Panorama mit den Rockies, die sich
hoch am Horizont auftürmten, war mit nichts zu vergleichen, was wir beide
kannten. Anders als die Alpen, beginnen die Rockies einfach von jetzt auf
gleich. Inmitten der weiten Ebenen türmten sich riesige, brachiale Steinkolosse
auf, deren Gipfel teils hinter Wolken verschwammen. Oft wurde aus einer
Trinkpause ein Moment des Schweigens und des Staunens. Vielleicht auch ein
wenig deshalb, weil wir wussten, dass wenn es weiter den Berghang hinauf geht,
wir mit unglaublichen Anstrengungen zu rechnen haben.
| Blick aus Hinton auf die Rockies |
![]() |
| Auf zu den Rockies |
Doch wir waren auch auf der Hut und aufmerksam, beobachteten
die Straßen vor uns hinter uns. Zum einen wegen der Bären, oder anderen
Wildtieren, zum anderen wegen der Autos, die meistens mit über 100km/h an uns
vorbeizogen.
Auf einem langgezogenen Stück: Eine komplett gerade Straße
über Kilometer bergauf, da bemerkte Linus, dass Sven leichter trat bei selbem
Tempo und das, obwohl er selbst schon im kleinsten Gang fuhr. Da fragte er nach
vorn: „Sag mal, ist deine Schaltung anders als meine? Fährst du schon im
kleinsten Gang?“.
„Moment, ich schau mal ob ich noch einmal runter
schrrrrrrrrrr“, kam es zurück als Sven ins Stocken kam und keinen Zoll mehr vorwärtskam.
Seine Kette war beim Schalten abgesprungen und hatte sich beim hinteren
Zahnkranz zwischen seinen Speichen verhakt. Beim Anheben des Rades, hatte sich
sein Sattel aus der Halterung gelöst und wir haben das Fahrrad vorerst von der
Straße geholt, um zu flicken, was ging. Das mit der Kette war ein langer Akt,
ließ sich aber letztlich beheben. Sven, der schon einige Räder geflickt und so
manche abgesprungene Kette an ihren Platz befördert hat, meinte, dass er eine
derart verhedderte Kette zwischen den Speichen noch nicht erlebt hatte.
Das mit dem Sattel erwies sich allerdings als noch größeres
Problem. Wie man sich vielleicht vorstellen kann, ist es nicht nur unpraktisch,
sondern auch fahrlässig, auf einem nicht richtig befestigten Sattel zu sitzen
und mehrere hunderte Kilometer und Stunden darauf abzustrampeln. Das Sattelstück,
auf dem man sitzt, wird stabilisiert durch Eisenstriemen, welche aus der
Verankerung gerissen waren. Mit purer Muskelkraft ließ sich das Ding nicht
wieder zurückbiegen.
Einen zweiten Sattel hatten wir auch nicht dabei. Die Notlösung
war also, den nächstbesten Campingplatz anzusteuern und dort vorerst zu rasten.
Wenn wir lange genug grübeln, finden wir schon eine Lösung – vielleicht ist ja
auch jemand auf dem Gelände und kann uns helfen.
Der private Campingplatz, bei dem wir spät abends ankamen,
soll laut Schildern ausgebucht sein. Der nächste dahinter lag einige Kilometer
entfernt – die wollten wir bei aller Liebe nicht mehr strampeln. Haben erst
überlegt, uns einfach in die Wälder zu hauen, aber die hereinbrechende Nacht
stand bevor und wir waren nicht nur müde, sondern hatten auch Hunger. Und in
Bearcountry lassen wir uns lieber Zeit, beim Suchen eines geeigneten
Plätzchens. Es dauert halt alles länger und die Zeit hatten wir gerade nicht. Dann
dachten wir, ob wir uns einfach eine Nacht illegal neben das Holzlager des gut
besuchten Campingplatzes hauen und uns einen Wecker auf 5,6 Uhr stellen, um
früh die Sachen zu packen und weiterzufahren. Alles irgendwie ätzend. Das
bisschen Luxus (nachts ruhig irgendwo zu schlafen) wollten wir uns heute nicht
nehmen lassen.
Wir haben dann über eine Internetseite für viel Geld einen
Campingplatz reservieren können. Eine Nacht sollte irgendwie 30 Dollar kosten –
soweit noch okay. Aber man kann hier nur reservieren, sonst darf man nicht
campen. Und die Reservierungsgebühr kostet jeden 15 Dollar. So teuer waren
nicht mal unsere AirBnB Angebote in New York, oder Calgary pro Nacht. Als wir
dann neben unserem aufgebauten Zelt saßen und uns was zu essen machten, waren
diese Sorgen glatt vergessen. Auch unsere Bärensäcke konnten wir wieder bei
Nachbarn im Auto verstauen. Willi, der den größten Bus zum Camping ausfuhr, den
wir je gesehen hatten, war bester Laune und lud uns auch noch zum gemeinsamen
Sitzen an deren Feuer ein – er will gerne unsere Geschichten hören.
Wir bedankten uns für die Einladung, waren aber zu kaputt
und mental verbraucht, um das Angebot anzunehmen. Der Tag hatte schon Nerven
gekostet.
Am nächsten Tag ließen wir uns erneut Zeit, da der morgen sehr
kühl begann. Um uns herum brach Festivalstimmung eines Abfahrtstages aus. Long
May Weekend näherte sich dem Ende und so wurden überall die Campingplätze
geräumt, einige von ihnen waren schon aufgebrochen, bevor wir überhaupt wach
wurden. Kurz vor unserem Aufbruch (auch hier hatten wir eine Steckdose und wir
wollten das Aufladen unserer Geräte hinauszögern – zumal wir immer noch keine
gescheite Idee wegen des Sattels hatten), kam ein Auto der Park Officer vorbei.
Sie erkundigten sich, ob wir gestern Stress mit einigen anderen
Campingbesuchern hatten, was wir verneinten.
Und schon waren wir im Gespräch. Einer der Beiden war sofort
bei unseren Rädern und begann zu grübeln: „Vor ein paar Tagen, habe ich
irgendwo ‘n altes Fahrrad im Graben liegen sehen... Jungs, ich bin gleich
wieder da! Gebt mir 10 Minuten!“. Und dann waren sie auch schon wieder weg. Wir
zwei hatten nichts zu verlieren, also warteten wir auf ihre Rückkehr.
Leider Fehlanzeige. Das Fahrrad war bereits verschwunden.
Die beiden Officer waren dennoch sehr freundlich und versuchten mit uns
gemeinsam zu einer Lösung für das Problem zu kommen. Wir entschieden letztlich,
dass wir weiter zum nächsten Campingplatz fahren werden und dann schauen
werden, ob sich weitere Optionen auftun. Er hingegen sagte, er will nach uns
schauen, da unsere Route auf dem Highway 40 Teil seines Arbeitsbereiches ist –
wenn er nicht verhindert ist.
Als wir beim nächsten Campingplatz recht früh ankamen,
erwartete man uns bereits „Aaah the Cyclists“. Der Officer hatte bereits von
uns berichtet und wollte sichergehen, dass wir ja einen guten Schlafplatz hier
finden werden.
Wir entschieden den Tag in Ruhe zu verbringen, Plätze für
unsere Bärensäcke für die kommende Nacht zu finden (es gab wieder keine
Bärenkontainer und diesmal waren wir recht allein auf dem riesigen
Campinggelände) und zu schreiben. Sven entschied am nächsten morgen früh
aufzustehen und sich an die Straße zu stellen, Finger raus und versuchen nach
Hinton zu trampen, um den Sattel zu reparieren, oder einen neuen zu kaufen und
dann wieder zurück zu trampen. Je nachdem, wie spät es wird, wollten wir dann
noch weiter.
Der nächste Tag funktionierte tatsächlich ziemlich gut.
Linus, der den Morgen damit verbrachte zu schreiben, wurde gegen Mittag von
einem blauen Pick-Up überrascht, der auf unser Zelt zusteuerte. Sven stieg aus,
hatte einen neuen Sattel dabei und machte sich dran, diesen zu befestigen.
Linus packte nebenbei die Sachen zusammen und dann konnte es auch schon
weitergehen. Als wir uns weiter durch das bergige Land kämpften und immer
wieder wunderschöne Ausblicke genossen, verhedderte sich erneut Svens Kette bei
einem leichten Aufstieg, kurz hinter dem Zenit der Bergkuppe. Sven machte sich
sofort fluchend an die Inspektion und versuchte, das Kettenband aus den
Speichen herauszuziehen. Dabei fiel auf, dass die Kette nahezu alle Speichen
beschädigt hatte und auch einige gebrochen waren. Diese Schäden konnten wir mit
unserem Werkzeug nicht beheben. Was also machen?
[Eine Audionotiz von Linus zu den Ereignissen...
zu einem Bild von Sven ...]
zu einem Bild von Sven ...]
Wir haben uns nicht sehr lange abgesprochen, waren uns
ohnehin viele Optionen genommen. Also die Logik sprechen lassen: Jeder von uns
hat sich auf eine Seite des Highways gestellt und den Finger rausgehalten. Egal
von welcher Seite ein Fahrzeug kommt, wir fahren in jene Richtung. Entweder
zurück nach Hinton oder weiter nach Grande Cache. Hauptsache irgendwohin, wo
wir das Fahrrad reparieren können.
Nach - ungelogen - 60 Sekunden (wenn nicht weniger) rauschte
ein PickUp auf Svens Seite heran und blieb 20 Meter hinter ihm stehen. Wir
können mit. Er hat uns auf dem Hinweg schon da liegen sehen und war nun wieder
auf dem Weg nach Hinton. Er hat auch ein bisschen Zeitdruck, seine fünfjährige
Tochter hat ein Baseballspiel und seine Frau fragt schon, wo er bleiben würde.
Also sind wir mit Highspeed nach Hinton geballert, haben
wieder auf dem Campingplatz eingecheckt, wo wir vor 4 Tagen schon waren – Dans
Wagen war immer noch da.
Aber irgendwie hat uns das überhaupt nicht gefrustet. Wir
waren guter Dinge, wollten aber dennoch nochmal alles durchplanen. Wie viel
Geld haben wir noch? Leben wir über unserem Tageslimit? Wie viele Tage bleiben
noch und was müssen wir pro Tag abreißen, um den Flug zu kriegen?
Mental erschöpft von den letzten Tagen saßen wir in unserem
Zelt und kalkulierten. Aufs Geld müssen wir ein bisschen besser achten, wird
sich aber wahrscheinlich von selbst richten, da wir bald in sehr einsame
Gebiete vordringen werden. Alte Route würden ungefähr 50 Kilometer am Tag
bedeuten. Es waren mal 39km. Durch die schlechten Wetterbedingungen und nun
auch Pannen, haben wir ganz schön an Zeit verloren, in der wir hätten Strecke
machen müssen. Wir beide waren uns einig, dass wir das packen könnten, auch
wenn man mal ein paar Tage an schönen Orten verweilt. Dann werden es halt 60km
pro Tag.
Aber wir haben uns gefragt, ob das unseren Reisewünschen
entspricht. Eigentlich hat uns der bisherige Reisestil gut gefallen – eben
nicht auf Strecke pro Tag achten und einfach drauf los radeln. Also hat Sven nochmal eine andere Route ausgetüftelt. Diese
sollte von Hinton weiter auf dem Highway 16 Richtung Jasper sein. Wir würden
auf die gesamte Strecke 250 - 350 Kilometer einsparen und müssten dann täglich
ca. 10 Kilometer weniger fahren. Nehmen wa!
Lächelnd über diesen Blödsinn der letzten Stunden und dass
wir Pläne, die über Monate gereift sind, binnen weniger Stunden (oder
vielleicht auch nur Minuten) über Bord warfen, sind wir eingeschlafen.




Jasper instead of Fort St John. Good call - it is a beautiful destination. Be aware - it is a National Park and you will have to buy a park pass. You will likely see mountain sheep here, and will start to get nearer to bear country.
AntwortenLöschenAs you change your route to Vancouver, you should consider Hwy 99 past Kamloops. It is the most beautiful drive, and will be much better than busy Hwy 1. You will also pass by the beautiful mountain village of Whistler. Many miles to go - enjoy the adventure.
Keep pedaling - you will reach your destination.
The Norman's (the stop at Aspen's house)